Im Hochgebirge

I  M    H  O  C  H  G  E  B  I  R  G  E

Lockere freundlich hellgrau wattende Nebel oder Wolken verdecken minutenweise die brilliante Kontur in schimmerndem Weiß, scharf geschnittene Grate – am benachbarten Gipfel ergänzt um sanfte Hänge: In kristallener Härte steht der Großglockner über schrundigen Felswänden, aufsteigend aus dichtem dunklen Tann unten, tief unten der liebliche Talgrund.

„ Kommen Sie ihm noch näher – Großglockner zum Anfassen! „

werben die Prospekte, „Kommen Sie zum Kaiserstein!“

Zwanzig Kilometer kurvt die Strasse durch die dicht verkrauteten Berghänge, kleine farbintensive Blüten: enzianblau, karmesinrot, ziklamgelb – satt grün in zahllosen Nuancen. Darüber Felswände, niedere Buckel, höhere Spitzen, Waldhänge und immer wieder durch Täler in die ferne blickend: verblauende Kulissen aus „3000endern“mit weißen Spitzen und Graten.

Dann wird es enger: Schroff aufragende graue Putzfassaden stellen sich in den Weg, verstellen die Berge: Autos, einförmig in ihrer Vielfalt der Variationen des immer gleichen Themas, Bergstiefel und Straßenschuhe, Windjacken, Norwegerpullover wechseln sich ab mit Kostümen, Trachten und Versagemänteln aus aller Herren Mode-schöpfer Ateliers.

Wir sind da!

Einladend winkt das freundliche P mit dem Dach darüber: Kostenfrei parken!

Der Zwangsweg führt hinein. Die bekannte enge Spindel, die niedrigen Geschosse: Alles lieblos in schalungsrauhem dunkel nass-grauem beißend riechendem Beton. Enge Stände, ungeduldig drängelnde Fahrer, lautes Argumentieren auf Italienisch, lustige Wortwechsel in „Schwizerdütsch“, betulich wirkende Dialekte der anderen Alpenvölker.

Ein Ausgang ist durch laut röhrende Presslufthämmer versperrt.

Längere Wege führen uns in´s Freie, die Menschen drängeln sich auf Schotterwegen am Machendrahtzaun – unten, die Menschen dort klein wie Ameisen ( Sie hat der spezielle Lift dahin gebracht!) unten der „ längste Gletscher der Ostalpen“: ein graues „Fjell“, leicht gepuder-zuckert, am Rande von Steinen übersäht – grünlich zu uns herauf schimmerndes Wasser sickert in´s Tal , vor allem wohl aus dem weit geöffneten Gletscher“tor“darin die Ameisen verschwinden und wieder auftauchen – Gewimmel.

Uns lockt der „Panoramaweg zum Kaiserstein“ und dem „KaiserJosephHaus“( 15 Minuten). Ein Durchgang im Parkhaus, die gut vier Meter breite Treppe aus Terrazzo mit Gummikanten, fünf Meter tiefe Podeste (lichte Höhe 2.20), Neonröhren, die lieblos betonierten Wände „chamois“ gestrichen. Wir steigen und steigen,treten in einen hoch gelegenen Hinterhof des vielgeschossigen Parkhauses mit dem anschließenden Restaurant und „shopetagen“.

Auf jeder Setzstufe steht hellblau links und rot rechts abgesetzt „Panoramaweg“ und „Kaiserstein“.

Ein geschotterter Trampelpfad führt aus dem Hinterhof am Berg entlang – rechts und links knabbern die Murmeltiere im schütteren    Kraut zwischen grauen Steinbrocken. Uns reizt es nicht mehr zum „Kaiserstein“ zu gelangen.

Der Großglockner und alle anderen höheren Berge sind wolken-verhangen, „Er“ steht  wohl etwas weiter rechts als wir vermuten –

Aber nichts Genaues weiß man nicht.

Der Kaffee war gut, die „Mehlspeisen“ matschig – im Hochgebirge.

 

Dreikirchen am 22.9.2001