La roche du Feu

L a   R o c h e   d u   F e u

Am27.7.1994

 

Zweihundert Meter etwa tiefer liegen die Weinberge als grob gewebte Stoffe aus laubgrün mit dazwischen ockerfarbenem Nockengewebe – im blau verwaschenen Overall der Winzer. Bindet er Trauben hoch, kappt er unfruchtbare Triebe, sammelt er Schnecken in einem roten Kunststoffeimer?

Die Höhe der schroffen Kalkfelsen hat nichts heroisches, weil sie eingepackt sind im krausen Teppich des bergan steigenden Waldes

Gleich über alle Hänge hin, verschieden Blatt für Blatt – Verzweigungen.

In den Taleinschnitt dringt der Dunst der Hügel Burgunds.

Der gewaltige Druck der Alpenmassive, flüssige Granitmasse, die aus dem Erdinneren heraufstieg, hatte alle Kraft gebraucht, den Kalk hier von seiner Meerestiefe hoch zu pressen in unsere Höhe – Burgund liegt auf dem Meeresgrund bis es jenseits im Westen ansteigt zu den Höhen des Marvan. 

Nahe sind die blasslila überhauchten Blütenkugeln des wilden Knoblauch mit den zarten weißen Zwiebelchen im morschen Boden zwischen den Steinen, nah sind blaugrüne blasse Fiederblätter an Handspann langen Rispen, ebenso blaugrüne fadendünne Grashalme und das Kraut des wilden Estragon, gelblicher das Grün einer anderen spitzblättrigen Pflanze und der Eichenblätter wenn die Sonne hindurch scheint. Fruchttragende Rispen in hellem Ocker, kränklich dürren Mooses und kadmiumgoldene Flecken auf dem weißlich grauen Stein Dumpfes Grollen im Berg, Jazztrompetenstöße, rythmisches Rollen, leises Verrauschen  begleitet die Durchfahrt eines Zuges durch den dunklen Tunnelmund, durch die Einschnitte im hügeligen Bergwald.

Warum hier oben ein Zug? Woher, wohin? 

Die Schatten unter den Obstbäumen unten unterhalb des Weinberges sind kurz geworden im hohen Mittag. Die Sonne ist stechend, der Dunst wabert über Burgund.

Nur ein Gewitter könnte Regen bringen – es regnet seit Wochen nicht.

 

 

Aus dem „schwarzen Buch“.