Mondlandung

F r e i g e g e b e n

Lesestoff zu Sonne und Mond von Eberhard Kulenkampff

Prolog für Giordano Bruno

Der Regen der Nacht war vertropft und die Wolken im Dunst des Morgens aufgelöst – aus den Dunst stieg die Sonne, überblendete das Grau zu silbrigem Weiß, zu hell den Augen, bis dunkle Wolken sich davor schoben und sie auslöschten. Die Wolken waren stärker als ihr Licht und auch die Nacht war stärker. Allmächtig war allein die Erde auf der er ging, die gute starke Erde deren Ende keiner kannte in ihrer unendlichen Erstreckung. Wo man das Ende zu finden hoffte – schließlich kam man immer zum Meer hinter dem man, zu Recht, wie sich später zeigen sollte, weitere Erdteile vermutete. Aber man ließ das Land bei den Seefahrten von Bucht zu Bucht nie außer Sicht geraten. Sie hatten den Zug der Fische studiert und den Flug der Vögel, Sonne und Mond betrachtet mit ihrem Kommen und Gehen und konnten aus den Sternen lesen, die kommende Ernte aus den Wurzeln der Kräuter und das Jagdglück aus der Asche ihrer Feuer. Als der Wind sein Boot davon trieb nahm er all dies Wissen mit. Als der Sturm das Schifflein immer schneller über das Meer trieb und er sich an den Kielbalken schmiegte, um nicht hinaus geschleudert zu werden, war er doch getrost in dem Wissen um die Festigkeit der Erde von der er sich ein Teil wusste, der weiten Insel im weiteren Meer über das mal die Sonne schien, mal nicht, mal die Sterne glänzten, mal ein schmaler oder vollerer Mond, auf der die Bäume Blüten und Früchte trugen und kahle Zweige im Wechsel mit Blüte und Frucht. Nur die Erde blieb sich immer gleich. Der Erde glaubte er – sonst nichts. Und sein Schiff trieb schnell dahin vom Sturm gejagt. Als er an Land gespült wurde nach der rauen Nacht in der ihn schließlich doch noch eine hohe Welle von seinem Kielbaum losgerissen hatte, war ihm das Land fremd wie die Kleidung und Sprache der Menschen, die ihn beim ersten Tageslicht fanden. Es war ein Tag ohne Sonne unter schnell dahin jagenden Wolken. Die Menschen verstand er nicht aber sie nahmen ihn freundlich auf. Ein Tempelbezirk nahe der Küste wurde seine neue Heimat. Die Mönche lehrten ihn mit freundlicher Geduld ihre Gebete und Gesänge, später auch ihre Sprache und alle Gewohnheiten. Als er ihre Sprache zu verstehen begann, wurde ihm allmählich zur Gewissheit, dass sie ihre Gebete an die Sonne richteten „in ihrer Allmacht“, da sie die Sterne ordne und den Mond leuchten lasse oder verschwinden, den kläglichen Gesellen wie es ihr in ihrem Glanze gefiel. Ja, in ihrem Wahn glaubten sie, dass die Sonne die unendliche Erde um sich kreisen lasse in ihrer Kraft und Mächtigkeit, um sich kreisen lasse wie die Kinder ihre Bälle an einer langen Schnur um ihrer Köpfe kreisen ließen; ein lächerlicher Gedanke. Und er sann, wie er sie eines Besseren belehren könnte, sie zum wahren Glauben führen. Und hatte doch nichts als sein Wissen vom wirklichen Sein der Welt. So begann er zunächst leise mit dem Klosterbruder, der ihm am nächsten stand in guter Freundschaft von der Erde zu sprechen. Der hörte ihn erst freundlich an und belehrte ihn dann über seinen „Irrtum“ und sprach zu ihm wie er es eben nicht besser wusste. Da ging er enttäuscht, aber wurde sich erst richtig seiner großen Aufgabe als Botschafter des rechten Glaubens bewusst. So ging er zum Markt, wo viele Menschen kamen und gingen, nicht nur die wenigen ideologisch erstarrten Mönche mit ihrem falschen Glauben an die Sonne, die mal schien und mal nicht und auch die Bitten nicht erhörte . die an sie gerichtet wurden. Zur Erde, das wusste er, brauchte man nicht zu beten, die war in ihrer Kraft immer da und trug einen zuverlässig und nahm die Toten auf zur köstlichen Ruhe in ihrem kühlen Schoß aus dem die Mütter die Menschen zur Erde gleiten ließen wenn die Früchte reif waren und sich schon die Knospen der neuen Blüten zeigten. Und er sprach zu den Menschen von der Erde und deutete ihnen das Wesen aller Dinge aus seinem Wissen und da er fest im Glauben stand sprach er ruhig in guten Bildern, ja, so schön, dass er sich selbst an seiner Rede berauschte und beinahe sang in seinem Eifer. Nicht so die Menschen! Sie hörten erst zwar gutwillig hin, da sie oft denen zuhörten, die sie ermahnten, die Erde nicht zu zerstören durch ihr leichtfertiges Treiben, aber dann trauten sie ihren Ohren kaum als ihnen klar wurde, was der Fremde sagte in seiner seltsam klingenden Sprache über die Rolle von Erde, Sonne und Mond, sie ihres Irrglaubens wegen verwies und den rechten Glauben offenbarte von der Allmacht der Erde über alle Gestirne, die Wolken und die Winde, Pflanzen, Fische, Tiere, Menschen und Vögel. Da verlachten sie ihn mit seiner dummen Begeisterung und als er nicht stille sein wollte mischte sich Ärger ins Gelächter und die Burschen rückten ihm näher und brüllten, er solle still sein, sein Maul halten und sie nicht für dumm verkaufen. Aber er blieb nicht still und duckte sich nicht und sprach, leise zwar aber in der Sicherheit des Wissenden weiter von der Macht der Erde über die Sonne – obwohl sie das besonders erregte. Da griffen sie zur Gewalt, hatten Stöcke von den Marktständen gerissen, Steine aus dem Pflaster, Messerklingen blitzten. Er ließ sich nicht einschüchtern, blieb fest im Glauben, hob aber die Stimme nicht wie sie die Steine. Später wusste keiner, wie es wirklich geschah, wer den Stein geworfen, wer den Stock geschwungen, welche Hand die Klinge gestoßen hatte. Er war tot, geschunden, aus vielen Wunden sickerte sein Blut ins Pflaster als die Menschen zurückwichen – tot, Märtyrer für seinen Glauben an die Kraft und Macht der Erde.

„ Die Amis bringen keinen rauf – weil sie ihn nicht wieder runter brächten; sie können auf dem Mond nicht starten für den Rückflug“ Sie stocherte in ihren sauren Nieren, die man ihr am Frühstücksbüffet auf den Teller geklatscht hatte und grinste Ludlov an „ . . . das muss man jedenfalls aus dem Text schließen, den ich gestern zu übersetzen hatte.“ Er, nachdenklich: „ Nein – da will wohl keiner hin – auf Nimmerwiedersehen. Als Jury sich einundsechzig in´s All schießen ließ, war er dort ja nur „auf Besuch„!“ Er probierte von ihrem Teller: „Meine Bohnen sind wirklich besser.“ Er leckte seinen Löffel ab. „Kennst Du den Unterschied beim Essen? In Frankreich pflegt man die Besteckküche, in Italien die Gabelküche – und bei uns hier in Russland die Löffelküche, alles wird zu Suppe zerkocht, schon zum Frühstück. Du hast es fein, alle Weil in den Westen, das englische „Continental“ – es scheint also, alle Sondierungen hätten ihnen nichts gebracht? Fehlen ihnen tatsächlich noch entscheidende Informationen um die Fähre für den Aufstieg zum Rückflug vom Mond zu bauen?“ Sie stand schon auf, ließ ihre sauren Nieren stehen, „ Ich muss heute noch die Übersetzung der Ansprache an die amerikanische Delegation machen, die ganzen Phrasen klingen auf Englisch noch hohler, na – in Wirklichkeit wollen wir ja auch gar nicht zusammenarbeiten, wohlmöglich zusammen fliegen. Die Ersten wollen wir bleiben im Weltraum und am besten allein! Niemand soll vor uns auf dem Mond sein – niemals!“ Sie trank, schon im Stehen, ihren Tee aus „ . . . kannst Du heut Abend kommen, bitte!“ Sein Lächeln war ihr Antwort genug „ und bring mir von den goldenen Rubeln mit, die bei der Restaurierung der alten Markthalle am Nevsky in einer hohlen Wand gefunden wurden.“ Wie sollte er da wohl dran kommen? Aber vor dem Hotel wurden gerade von einem Lastwagen mit offener Heckklappe Bachararosen – einzeln mit ganz langem Stiel – für fünf Rubel das Stück verkauft; man sagte, es sei ein Holländer der sie aus Equador einfliegen ließ und von den fünf Rubeln, die die blumenverliebten Russen gern zahlten, trotzdem noch zwei verdiente. Später nannte man das „Globalisierung“. Er nahm eine Rose für sie mit. Man hatte ein neues Firmenschild mit englischem Untertitel: „SPACE AND STARS RESEARCH DEP:“ angebracht um den Amis zu imponieren, sehr witzig, Weltläufigkeit! Nicht so witzig fand er, dass man die „Rosenbergstory“ in russischer Übersetzung von einem Lastwaagen direkt aus der Druckerei hier am Nevskyprospekt verschleuderte für fünf Rubel, wie die Rosen; die meisten Bücher mit hohen Auflagen kamen gar nicht erst in die Buchhandlungen; Russen lesen wo sie stehen und sitzen – alles was sie kriegen können.

Ganz anders verlief das Frühstück in L.A. – nicht nur wegen der zwölf Stunden Zeitunterschied zu Leningrad. Kaffee mit Erdbeeraroma hatte er durch die Maschine laufen lassen, hush browns gebräunt und pancake mit Ahornsyrup übergossen – ohne Spiegelei oben drauf! – aber sie wollte das alles auch heute nicht, hockte verschlafen auf der Bettkante, blass und dünn wie die Krankheit sie zugerichtet hatte – und ignorierte sie noch immer: „Ich hab nur keinen Appetit, sonst geht es mir doch ganz gut!“ Er mochte diese Illusion nicht zerstören und sonst war niemand um sie. Als auch ihre Mutter, die den Vater lange überlebt hatte, gestorben war – es war die gleiche Krankheit, die sie jetzt verleugnete – waren sie in diese Gartenwohnung in Beverly Hills gezogen, hatten sich eingeigelt, nachbarschaftliche Freundschaft nicht aufkommen lassen, geträumt. Beim letzten Beben, das .leichte Holzhaus hatte sich vom gemauerten Schornstein des Kamins getrennt, der Fernseher war vom Bord gestürzt, sonst nur Glasbruch! – hatten die Leute von Nebenan befremdet auf sie geschaut, kannten sie nicht und vergaßen sie wieder.

Zur Trauerfeier in der Kapelle des Hospizes war er denn auch allein und blieb allein – bis auf den kleinen Kreis der Kollegen und die Krankenschwester, die sie gepflegt hatte.

Trost in der Religion? Er las viel, fand zwei Geschichten vom Sterben: Die eine spielte in Kusinara in Nordindien. Vor zweitausendfünfhundert Jahren ging ein alter Mann seine letzten Schritte hin zu dem kleinen Dorf Kusinara. Ananda ging mit ihm wie seit Jahren – ein paar Schritte hinter dem Erleuchteten, sonst niemand. Hitze brütete über dem dürren Land, das Wasser faulte in den Tümpeln, mehr war dem Dorf nicht geblieben. Ananda hatte den Rest eines Schälchens Suppe den sie schon des Mittags bekommen hatten, treulich mit sich getragen durch den langen Tag, durch die Hitze. Ein paar Schlückchen genügten meist dem Alten zum Abend. Dieser Suppenrest genügte im doppelten Sinn. Der fiebernde Körper warf sich des Nachts in der Hütte, die man ihnen gewiesen hatte, hin und her. Im ersten Dämmerlicht erkannte Amanda die Zeichen einer Vergiftung auf des Bhudda Gesicht. Der Atem ging schwer und die Kräfte verfielen schnell. Amanda stand, da er nicht zu helfen wusste gegen den nahenden Tod weinend am Türpfosten, allein mit dem Einzigen, denn keiner der anderen Mönche war ihnen auf diesem Weg in seine Heimat gefolgt und IHN kannte man nicht in dem kleinen Dorf. Der Bhudda rief ihn zu sich und sprach: Sei nicht traurig, weine nicht, habe ich Dir nicht gesagt, dass wir uns von allem, was uns lieb und teuer ist trennen müssen, Abschied nehmen, abgeschnitten werden? Du hast Dir damit Gutes getan, mich zu begleiten, Ananda, strenge Dich weiter an und auch Du wirst bald erlöst werden. Und der Budda starb und nur Anada war bei ihm. Ein stiller Tod – der stille Tod des Menschen, dessen Leben und Wort und Beispiel eine Weltreligion begründet hat vor zweitausendfünfhundert Jahren die heute Millionen hilft zu leben.

Und gut fünfhundert Jahre später – so erzählt die zweite Geschichte, starb bei Jerusalem in Kleinasien Jesus von Nazareth, den sie höhnisch “König der Juden“ nannten und hatte doch nie ein Reich in dieser Welt verlangt: ein Todesfall als Höhepunkt eines spektakulären Dramas, auch dies ein religionsstiftender Tod. Wir kennen alle die Details, beginnend mit dem Konflikt der beiden Menschen im Paradies „mit Gott und seinen Heerscharen“, hier allen voran der Engel Gabriel mit seinem Schwert, dem ersten Schwert in dieser Menschengeschichte – und schon bald begannen sich die Zeichen zu mehren die auf den eigentlichen Stiftungsakt der messianischen Religion hinweisen sollten, verdichten sich zu Jesu Lebzeiten (Einritt nach Jerusalem auf einer Eselin etc.) um schließlich in die Ereignisse der letzten Tage, der letzten Stunden einzumünden als die ganze Stadt Jerusalem in Aufruhr ist, der Statthalter Roms eingreifen muss, die Hohepriester, die Soldaten, das Würfelspiel, schließlich der Henker, geißelnd, und nageln IHN an das Kreuz um es hoch aufzurichten auf dem Galgenberg, der Schädelstätte querab zum Osttor Jerusalems. Und, so fahren manche Quellen fort zu berichten, im Augenblick seines Todes verdunkelt sich der Himmel, ein Blitz zuckt, das Universum erzittert. Ein dramatischer Tod auf den sich eine andere, jüngere, Weltreligion beruft, ein Stiftungsakt, ein Todesfall. Er liest und sinnt, gehen ihn die beiden Toten etwas an? Er bleibt allein. Er glaubt, ganz gewiss – aber er weiß nicht, was.

4.

Das war schon lange sein Feld: die Arbeit am Projekt. Ob er, der „Vize“, noch dabei sein würde, wenn die Landung gelang und der erste Mensch vom Mond heil zur Erde zurückgekehrt sein würde? Gerecht wäre es, denn seine Überzeugungskraft hatte das Team immer wieder beflügelt, wenn die Rückschläge sie zu lähmen drohten – hatte aber auch die Präsidenten und seine feindseligen „Berater“ immer wieder „zur Fahne“ gerufen: sie durften weitermachen; das Geld floss in das Projekt – wie lange noch? Er selbst hatte nur noch 14 Monate, dann würde sein Abschied schlagen, geehrt – aber gescheitert, keiner glaubte so fest wie er an die Landung auf dem Mond, die triumphale Rückkehr zur Erde – keiner!

5.

Auf dem Heimweg ging er noch ein paar Schritte zu Fuß, es begann zu regnen. Im Schutz eines Baumes stand schon jemand, der Regen wurde stärker. „Kommen Sie mit, dort ist mein Haus – ins Trockene!“ Als sie in die Diele traten waren doch beide schon nass bis auf die Haut. Sie zögerte nur kurz – „Ziehen wir das nasse Zeug aus, hängen es zum Trocknen, ich lass uns die Wanne ein, dass wir uns aufwärmen.“ hatte er vorgeschlagen – und begann im wohlig warmen Wasser ihre Füße zu massieren und legte sich dann selbst dazu. Nachher ging sie durch die Wohnung, schaute sich alles an, und er schaute sie an. Dieses Ritual hielten sie bei, jedes mal zogen sie sich wortlos aus, gingen herum, schauten sich an, badeten auch wohl wenn´s kühl war, in der warmen Wanne, streichelten sich zärtlich. Irgendwann küsste sie ihn zum Abschied – und kam nicht mehr.

Man sieht es dem Labor und auch dem Rechenzentrum nicht an, ja, noch nicht einmal den flimmernden Filmdurchläufen im abgedunkelten Sitzungsraum, was ihre Nachricht ist. Die Auswertung erst lässt erkennen: gescheitert, gescheitert auch der letzte Versuch die Bodenqualität im Zielgebiet Delta III zuverlässig genug zu bestimmen. Schon damals, bei Boeing, waren ihm, dem Fahrwerksspezialisten, die Darstellungen der Rollwiderstände zum Trauma geworden. Und die Zeit arbeitet gegen sie – und die Russen! Über die besonders schwierigen und unsicheren Wege zu den wohlbehüteten Informationen der Konkurrenz kommen Andeutungen technischer Alternativen: dem schon oft diskutierten gleitenden Vorbeiflug wenige Meter von der Mondoberfläche entfernt. Das soll mit einer „Drohne“ geschehen. Es heißt, Sergej Koroljow, der „Vater des Sputnik“, des guten Gefährten, wie die Russen ihn liebevoll nennen, arbeite selbst mit an dem „Projekt“ der Russen Solche unbemannten steuerbaren „Raketen“ sind auch das Fernziel amerikanischer Entwickler – aber heute noch „sience fiction“ Immerhin hat Koroljow auch acht Jahre gebraucht bis der Sputnik flog nachdem Eisenhower 1953 den Auftrag für die außerirdische Erkundung erteilt hatte und damit dieses Wettrennen in Gang setzte. Wenn die Russen nun wieder als Erste . . . undenkbar, diese Blamage. Es muss auch anders gehen. 7. Oft nimmt er den Heimweg in seinem seltsamen Gang, er bewegt die Beine nur von den Knien abwärts, durch stille, unbeleuchtete Wege wie sie überall in L.A. für die Müllentsorgung und für Gartenlieferungen hinten zwischen den Gärten verlaufen; ein eigenes Wegenetz der Heimlichkeiten. Es liegt ständig die Lichtglocke über der Stadt wie der Dunst – nie sieht man die Stadt selbst von den fernen Höhen, nur den Dunst der sie in der feuchten Niederung verdeckt. Aber immerhin: der Mond ist hier deutlicher und die Sterne leuchtender. Er wird nicht müde ihn anzuschauen, ist es wirklich mehr als eine leuchtende Scheibe, reflektierendes Silber? Kann man dem Blick durch das Teleskop glauben, der alles zu zeigen scheint, alles? So hat er ihn schon als Kind gesehen. Gebannt war er schon immer, wie ihm jetzt scheinen will; Sentimentalität? Und irgendwann hatte er dann auch Jules Verne gelesen.

„Rumpelstilzchen“ oder: Die Jugend eines Astronauten. Er geht wie die Japanerinnen in den Uffizien: sie gehen hinter ihren Füßen her, die sie vom Knie her bewegen während alles Übrige steif bleibt Darum geht er auch nicht mit schwingenden Armen, er greift nicht voraus, er geht immer hinter sich her. Aber er lernte es viel früher als die Anderen am Sandkasten. Seine Mutter sagt immer: Mit einem Jahr konnte er schon laufen! Aber das stimmt nicht. Auch alles andere, was sie ihm aus mütterlichem Stolz andichtet stimmte ganz so nicht – treibt ihn aber in den Ehrgeiz, so zu sein, wie seine Mutter ihn offensichtlich gern gehabt hätte. Der ließ ihn nie wieder los. Immer wieder neue Pläne gab er ihm ein und so oft auch aus Stroh Gold wurde – das Kind wurde nie sein. Frätzchen nannten sie einen Jungen mit leicht aufgestülpten Lippen, der die heilsten Sandkuchen backen konnte. Ihm galt alle Bewunderung, er wollte so sein wie Frätzchen und stülpte wie der die Lippen hoch. Das ging am besten, wenn man brummt wie ein Kieslaster der es nicht aus der Kiesgrube schafft. Und so schob er lebhaft brummend, mal eine Schaltgang einlegend, mal den Motor beinahe abwürgend, mal schnell über ein ebenes Straßenstück rollend seinen roten Kunststofflaster voll feuchtem Sand, hoch und kunstvoll festgeklopft die Rampe empor die sie gemeinsam alle für ihre Autos benutzten um endlich befriedigt auf dem hölzernen Sandkastenrand auszuruhen von dem anstrengenden Brummen. Denn er hatte den Motor nach einem kurzen Zwischengas abgestellt. Nein, all das nicht mehr! Kurz vor dem oberen Ende der Rampe zerfiel diese unter der schweren Last seines überladenen Wagens, die Ladung kam ins Rutschen versank mit der Rampe im Sand; Erde zu Erde, Staub zu Staub. Frätzchen, der ihn inzwischen, wie er meinte, bewunderte und der ihn eben noch zugeschaut, zugehört hatte, lachte ihn aus, die anderen grinsten. Wütend schlug er mit seinem roten Auto auf den kläglichen Rest der zerfallenen Rampe, zutiefst enttäuscht vom Leben. Die anderen vergaßen sein Missgeschick schnell. Ja, Fräzchens Mutter sagte wenig später:“Heut ist´s so feucht willst Du nicht nachmittags zu uns nach Hause kommen zum Spielen?“ Und ob er wollte! Er konnte den Nachmittag kaum erwarten, seine Mutter hatte es gleich erlaubt, zog ihm aber frische Sachen an und weiße Söckchen – Frätzchens Mutter ist immer so gepflegt, war ihr Kommentar. Und er sollte zum ersten Mal den Weg allein gehen. Sie gingen zum Einkaufen immer auf der gleichen Seite der Straße, überquerten an der großen Kreuzung, nahmen die Abkürzung über den Friedhof und kamen kurz vor dem Markt an Frätzchens Haus vorbei – das konnte er auch allein! In seiner Aufregung ging er schon viel zu früh los. Unter seiner großen Kapuze, denn es hatte zu nieseln begonnen, sah man den Knirps kaum der er noch war, wenn nicht die weißen Söckchen darunter hervor geblitzt hätten jedes mal, wenn er, nur vom Knie abwärts die Füße bewegend, einen Fuß vor den anderen setzte. Gut, dass er zeitig losgegangen war, denn auf dem Friedhof war etwas los: Zwei Männer in Regencapes hatten begonnen, eine Grube zu graben, wofür auch immer. Man sah grade noch die Köpfe über den Erdhaufen ragen den sie mit der losen Erde aufgeworfen hatten. Er glänzte vor Nässe! Ja, gut, dass er noch Zeit hatte, vom Weg ab zu den Männern zu gehen, näher heran, um besser zu sehen, was sie dort ausgraben wollten, vorsichtig auf den Erdhügel, hinunter starrend in das Erdinnere. Die Männer standen ihm abgewandt, eine Zigarette sich teilend, rauchten in tiefen Zügen – so gut schmecken Zigaretten nur im Freien (aber das wusste er noch nicht) Da, waren das nicht Knochen unter ihren groben Stiefeln? Noch näher an den Rand, – der glitschige Lehm gab keinen Halt mehr, alles rutschte und mit allem rutschte er, der Erdhaufen, der nasse, hinterher. Die Männer schrien vor Schreck auf, begriffen nichts und erstarrten, als ihnen aus dem losen Boden im Grab ein nasses, lehmverschmiertes Kind mit schreckgeweiteten Augen entgegen starrte. Der rote Lehm ging selbst nach der zweiten Wäsche aus den weißen Söckchen nicht wieder raus – er durfte „nie wieder“ allein raus und aus dem Spielen bei Frätzchen zu Haus wurde nichts, für lange Zeit. Gogo lebte auch bei ihnen. Weil Gogo seine Schwester war obwohl sie beim Gehen mit den Armen schlenkerte und ihr Popo Schlangenlinien beschrieb wenn sie vor ihm und den anderen Jungen herging. Gogo ging immer vor, nicht nur beim Gehen! Und Gogo durfte ALLES! Aber später würde er auch dürfen. Wann war wohl später? Wenn sich sein Traum erfüllte, wenn er einen Hund bekam. „Den bekommst Du erst, wenn Du zwölf wirst, weil Du ihn Seite 13 vorher nicht richtig pflegen kannst.“ So pflegte er erst Schnecken, einmal einen Grashüpfer in einem Weckglas ohne Gummiring, damit er Luft bekam – bis er ihn mit all dem Gras, das er nicht gefressen hatte, aus Versehen aus dem Fenster warf. So „pflegte“ er eine Eidechse ohne Schwanz die ruhig und unerreichbar für ihn auf einer Mauerkante in der Sonne lag. Sie rührte sich nicht, auch als er ihr ein Stückchen Birne hinlegte, von dem Lindes Eidechse doch gefressen hatte, sagte sie jedenfalls. Der Vater belehrte ihn allerdings, dass Eidechsen kein Gemüse und kein Gras sondern nur Kerbtiere essen, da hatte er ihr von seinem Ei angeboten, sie mit dem Stock angestoßen, sie nahm nichts – da hörte er auf sie zu pflegen. So pflegte er auch zwei langbeinige Weberknechte und bot ihnen Fliegen an, die er mit der Fliegenklatsche erschlagen hatte als sie, hilflos, wie Fliegen immer im Herbst werden, auf dem Tisch hin und her gestolpert waren. Als auch die Weberknechte sein Angebot verschmähten obwohl doch die Spinnen extra aufwendige Netze machen, um Fliegen zu fangen die sie dann aussaugen; bei dieser Vorstellung gruselte es ihn auch und so nahm er es den Weberknechten nicht weiter übel – aber er pflegte sie nicht mehr! Schlimmer ging es aus mit der Pflege des Schwalbenjungen, das aus dem Nest gefallen war. Er hob es vorsichtig auf und bettet es in Gogos alten Kinderwagen der noch für die Mützen, Schals und Handschuhe der Kinder an der Garderobe gestanden hatte. Er lieh sich Mutters weißen Seidenschal, der noch im Mutters Mantelärmel steckte um das Kleine darin einzuwickeln. Als er es auswickelte, schlug das kleine Körperchen nicht mehr warm in seiner Handfläche sondern war steif und kalt – keine weitere Pflege half ihm mehr.

Zu den vielen Geschichten des Vaters gehörte auch die von der Verwandlung der Kaulquappen in Frösche die er im Frühling mit einer alten Teekanne voller Teichwasser mit einigen Kaulquappen darin nachprüfte. Obwohl er der Ernährung durch kleine Gaben zerbröselter Cornflakes nachhalf und um die Wärme des Sommers zu ersetzen, es war Anfang Mai nochmal empfindlich kalt geworden, den alten Teepott auf die Heizung setzte, Frösche kamen nicht aus der trüben Brühe bis die Mutter sie weggegossen hatte weil sie angeblich stank. Und so gingen die Jahre mit verschiedenen Zeugnissen seines tierpflegerischen Engagements dahin in denen er mit wechselndem Erfolg – oder eigentlich immer ohne! – weiße Mäuse, Goldhamster, zwei Meerschweinchen und eine Blindschleiche pflegte, man muss leider sagen: zu Tode pflegte. Aber welchem Kind ist es damit wesentlich besser gegangen? So wendete er sich ab von der Zoologie und begann, jede freie Minute zu lesen. Dabei geriet er übrigens auch an ein Buch –ahnungsvoller Engel du – in dem ein Junge wie er zum Mond reist um dem Maikäfer, der ihm sein Leid geklagt hat, das abgeschlagene Beinchen wieder zu holen, welches noch am Beil des Mannes im Mond klebt, der damit so grob zugeschlagen hatte; „Peterchens Mondfahrt“ hieß diese phantastische Geschichte. Er las mit glühenden Ohren von all den Schrecken, die der Held erlebt bis er nach diesem langen Traum wieder in seinem Bettchen erwacht. Endlich wurde er zwölf und sollte den Hund haben – gleich, nach den Sommerferien die sie auf einem Hof verbrachten. Es wurde eine große Enttäuschung: Immer, wenn er mit den beiden Hofhunden, dem altersschwachen Schäferhund und dem temperamentvollen lackbraunen Dackel spielte wurden seine Augen rot und tränten bis er nichts mehr sah – allergisch gegen Hundehaare, sagte der Dorfarzt und bestätigte später der Spezialist in der Stadt Das Aquarium mit den drei teilnahmslos hin und her schwimmenden Goldfischen war kein überzeugender Ersatz. So musste er seine Interessen und seine Schritte – die Füße immer noch nur vom Knie abwärts bewegend – zu neuen Zielen lenken. Dieser Weg führte ihn zum Theater. Da bot sich ihm das Puppentheater, das er selbst mit Gogos Puppen inscenierte, – sie spielt doch nicht mehr damit, sie sitzen immer nur in den gleichen feinen Kleidern auf ihrem Bücherbrett . . . Aber als die Stücke immer dramatischer wurden um die Spannung zu steigern blieben die Schürzchen und Kleidchen, ja sogar ganze Perücken auf der Strecke und Gogo verschloss die kläglichen Reste weinend in ihrem Schrank. Aber vorher hatte sie wirklich nie mehr mit den Puppen gespielt, verteidigte er sich. Dann: auf der Wiese am Pumpenhaus hatte ein kleiner Zirkus aufgebaut. die Zuschauerbänke im Freien hinter Gittern, verhängt mit den leuchtend roten Planen; „Zirkus Montana“ steht in gelben Lettern darauf. Oben aus den Gittern ragen wunderhübsche vergoldete Spitzen ritterlicher Speere An einer dieser Spitzen hängt auch die Tafel mit den Preisen; nein, das haben sie nicht, die drei – denn inzwischen waren auch Frätzchen und sein kleiner Bruder gekommen. Da strömen auch schon die Besucher: Eltern, Tanten, ältere Schwestern führen die Glücklichen an der Hand durch die Sperre, die kleine Arena füllt sich schnell. Unsere Drei starren neidisch auf den Eingang, stochern im nassen Gras der Wiese, gehen schon mal um die Arena herum, um die drei Wohnwagen, in denen die Zirkusleute wohnen, stehen im Schatten als die Scheinwerfer aufleuchten, stehen am Gitter – mit einem Blick haben sie sich vergewissert, dass alle voll von der beginnenden Vorstellung gefangen sind. Frätzchen zieht sich als erster am Gitter hoch, sitzt rittlings oben und reicht dem Kleinsten die Hand und dann ihm. Er fühlt sich angehoben, schweben, weiß nicht wie ihm geschieht, müht sich zappelnd einen Fuß über das Gitter zu schwingen, rutscht ab – und hängt an einer schön verzinkten Speerspitze, die sich in das eine Hosenbein geschoben hat und durch den Hosenboden gestoßen ist, der kleinen Last einen guten Halt gebend. Er schreit laut vor Schreck, alle wenden sich ihm zu, der Beleuchter dreht den Handscheinwerfer auf die klägliche Gruppe – nach kurzer Erstarrung beginnen die ersten zu lachen die den zappelnden Frosch am Gitter erkennen, Applaus brandet auf – aber auch der Zorn des rot befrackten Direktors; und aus dem Zirkusbesuch wird für diesmal nichts. Aber das Kino! Die Mutter meint: Habt ihr nichts Besseres zu tun, üben für die Rechenarbeit? Als er bekennen muss, dass sie die schon gestern zurückbekommen haben – mit Note 5, ist es auch damit erst mal aus. In der Schule wird das Sommerfest vorbereitet, „Märchenstraße“ ist das Thema, zu dem jede Klasse einen Beitrag leisten soll. Auch seine Klasse berät und entscheidet sich für eine Aufführung; das „Rumpelstilzchen“ soll es werden – und er die Hauptrolle spielen weil er einen so seltsamen Gang habe, sagen die Kinder und lachen. Frätzchen wird den König spielen und Lisa die Prinzessin. Für alle gibt es Rollen, für alle Kostüme und viele Proben. Schließlich findet der Lehrer auch einen Weg, das endliche Zerreißen des Titelhelden darzustellen: nachdem er mit einem Fuß tief im Bühnenboden versunken ist – dazu musste er nur kräftig auf das mit Papier verdeckte Loch treten – riss er sich ein Bein aus Pappe aus und die Bühne versank im Dunklen ehe das Publikum genau hinsehen konnte! So kam der große Tag schnell heran und die Spannung stieg bei allen Beteiligten, seine am stärksten. Am Vortag dann die Generalprobe, mit Kostümen, mit Kulissen, mit Lichtspiel und Musik. Voll Eifer strebten alle auf die Bühne. Nachdem es gut geklappt hatte mit allen Einsätzen bis zum furiosen Schluss die Prinzessin seinen Namen sagt: „Heißest Du etwa Rumpelstilzchen“ und ihm damit das goldlockige Kind verloren geht: „Heut back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin Kind“ Sie hatte ihn belauscht bei seinem Gesang: „Ach wie gut, dass niemand weiß, das ich Rumpelstilzchen heiß!“ Er stampfte auf mit aller Kraft – aber im Gedränge des Schlussbildes am falschen Platz – brach wimmernd mit verstauchtem Knöchel zusammen. Mit dick verbundenem Fuß an zwei Krücken humpelnd musste er zusehen wie sein Stück gespielt wurde, seine Rolle von einem anderen improvisiert, der Beifall galt nicht ihm, dem wahren Rumpelstilzchen. Er brauchte lange sich von dieser Enttäuschung zu erholen. Sein Onkel wollte ihn trösten: Ich geh mit Dir noch bevor ich abreise mit meinem Nachtglas auf den Aussichtsturm im Stadtwald und zeige Dir die Sterne und den Mond – hoffentlich haben wir eine klare Nacht. Sie hatten nicht, es zogen dunkle Wolken auf am Nachmittag, es regnete am Abend – er konnte sie nicht sehen, die Sterne und den Mond . . . Erst Jahre später bei einem Besuch der Klasse im Planetarium sah er durchs Teleskop den Mond, die Krater, die Schatten der Berge?! Soviel aus der Kindheit eines Astronauten – dem nichts glücken wollte.

„Einführung in das Projekt“ Die Neuen hatten ein hartes Trainingsprogramm – wie er selbst es früher auch durch gestanden hatte – und viel Theorie, für alle Fälle, alles, beinahe alles fing mit Astro . . . an und hörte mit Mathematik auf. Aber hin und wieder kam man auf das Projekt selbst zu sprechen. Und dazu waren die Gespräche mit dem „Vize“ eingerichtet. Statt der Schulsteifigkeit der Theoriestunden die legere Arbeitsatmosphäre des Führungszirkels, die Freundschaft zwischen John und Neil. Wie waren sie dabei wohl auf die Tiere gekommen? Sicher hatte die beiden wohl schon als Kinder das gelockt was später ihr „ Interesse für die Naturwissenschaften“ heißen sollte. Hatten nicht Neils Jugendzeit Hunde begleitet, zum Entsetzen der Tante das Bett geteilt? Anders als Johns Schildkröten hatten sie seine Liebe auch erwidert. Und sie sprachen sicher von dem ersten irdischen Lebewesen im All: der kleinen Laika, die am 3.Novembert 1957 mit einem Sputnik in das Weltall geschossen worden war und einige Stunden nach dem Start an Überhitzung starb – ein Hundchen allein. Über die Tiere fanden sich die beiden –über das Projekt und über den erwarteten Sieg – aber sie ahnten nicht, wie einer durch den anderen siegen sollte – später. Armstrong war ja nur einer von vielen jungen Astronauten.

10.

Wann? An SIE denken hat mit dem Träumen gemeinsam, dass so viele und so verschiedene Eindrücke, Begegnungen, Bewegungen flüchtig auftauchen, sich, oft schmerzhaft, zur Sehnsucht verdichten, wieder verflüchtigen, den Geliebten Liebenden langsam hochschaukeln mit, sie weiß schon was für Folgen und immer neuen Bildern, allein, zu zweit, zu dritt, „allein zu zwein“. Wiesen auf denen sie nach dem Baden läuft, Steine zwischen denen sie liegt, Sonne auf ihrer Haut – dann wieder die freche Oberlippe, das freche Büschelchen krauses Haar . . . Vieles, vieles mehr, wie in den Träumen und das immer wieder als Gedicht: Mir träumt die ferne Geliebte Wolkenspiegel auf weichen Wellen Zitternd Mir träumt das Haar der Geliebten krauser Busch zur Glätte geschliffenen Granits Zitternd.

Auf dem Rückflug von Washington zogen sie Bilanz: Die Geduld des Präsidenten war erschöpft; sie hatten ihn noch nie so erlebt, kalt und abweisend hatte er und ungeduldig ihre Erklärungen angehört; ohne jegliches Interesse für die technischen Details, die sie aber doch daran hinderten den ersten Menschen zum Mond zu bringen – und zurück! zurück! zurück! Oder nicht zurück? Die Idee schlug bei den beiden ein, wie ein Blitz: Das war die Lösung, einer geht, schaut und bleibt. So, nur so können sie das Projekt zu Ende führen ehe die Ungeduld des Präsidenten . . . , ehe die Russen . . . , ehe sein Ruhestand für ihn selbst das Ende des Projektes . . . Jetzt! Und ohne nachzudenken wusste er: das war sein Ding!

12.

Eine Alternative: Bedaure! Sagte der Mühlstein zur kleinen schwarzen Olive und zerquetscht sie zu mauvefarbenem Brei. Bedaure! Sagte der Älteste zum Jüngsten, als er ihm den Weg abschnitt um mit seinem Schwung die Piste zu erreichen, die in´s Tal führte, der Jüngste aber, abgedrängt in eine Schneewehe, musste sich mit frierenden Fingern heraus graben, noch froh, dass kein Ski auf Nimmerwiedersehen verschwunden war – und nahm ihm auch in forschem Schwung die Braut, die Junge. Da sie auf ihn hereinfiel war sie sicher die Tränen nicht wert, die der Jüngste um sie weinte – auch wenn die Braut den Hof erbte auf dem der Älteste als ihr Gatte später dickbräsig den Bauern gab obwohl er die Feldarbeit nicht liebte und nicht das Vieh. Den Hof übertrug sie ihm nicht. Aber um den Hof hatte auch der Verlassene nicht geweint. Nach seiner Enttäuschung auf dem Weg der Liebe strebte er in die Weite der Gedanken und Gefühle religiöser Irrwelten. Schnell fand er heraus, dass es deren viele hat. Da ging er nach Berlin, verdingte sich als Nachtwächter beim Berliner Bankverein und schlug sein Quartier im Lesesaal der Staatsbibliothek auf, der ihn schon im Rohbau bei einer Baustellenbesichtigung zu der ihn ein Freund mitnahm, als weitschwingender Raum zutiefst bewegt hatte – und las.

Der Mittlere von den drei Brüdern: Ein Junge hatte ihn gefesselt, als er zwischen Schule und Leben ein Jahr in die „Psychiatrische“ gegangen war, zu helfen. Da der Junge dort bleiben musste, blieb er auch und wurde glücklich. Die Menschen, die dort lebten, hielten diesen Pfleger für einen der ihren, öffneten sich ihm unbeschwert und ließen ihn teilhaben am Reichtum ihrer Empfindungen und ihrer Erfindungen – denn viele wechselten Rolle und Schicksal mehrmals im Jahr, nahmen sich die Freiheit, ihre Fiktionen zu ändern, wenn neue Abenteuer sie lockten. Sie ließen ihn daran teilhaben aber beschwerten ihn damit nicht.

Es folgten Jahre mit Regen im Juli und Sonne im August, guten Ernten, reichen Erträgen. Der „Bauer“ drängte darauf, einen Knecht ein zu stellen. Der Knecht war vom Fach, war jung und schön. Da sagte die Frau:“Bedaure!“ und ging zum Knecht. Ich will Dir Lohn geben, wenn Du gehst! – Da ging er: reicher, als er es verdient hatte aber ärmer als erhofft. Das Lesen wurde dem Jüngsten einmal leid, wer hätte etwas anderes erwartet? Klarheit brachte es ihm nicht – aber er fand sie anderswo, in einer Brandweinbrennerei. Als er Berlin auf´s Geradewohl verließ, führte sein Weg ihn schließlich nach S. mit seinen berühmten Brennereien –und dort in eine Probierstube. Hier stand, sauber handschriftlich etikettiert, alles zusammen: Er hatte es schon am Wege gesehen – leuchtend goldene Kornfelder, dunkles Kartoffelkraut, staubüberfangene Zwetschen, rote Himbeeren, grüne Äpfel und Birnen, gelbe Quitten; verschieden wie die Religionen rund um den Erdball. Aber ob Korn oder Kartoffeln, Äpfel oder Quitten, alles wurde, wenn es reif war, in´s Brennhaus gebracht. Und er stand nun vor den handschriftlich etikettierten dickbauchigen Flaschen, vor den versammelten Essenzen, sie zu probieren. So verschieden Kartoffeln und Himbeeren sind, gebrannt und destilliert unterscheidet sie nur noch ein bisschen Duft, ein zartes Aroma auf der Zunge. Aber allen ist gemeinsam die wärmende Kraft des Alkohols, der Schwips – und der Kater. Die Arme auf den Holztisch gestützt ließ er die Bilder seiner Wanderungen und die Bilder der Religionen an sich vorüber ziehen – und als Essenz allen Gelesenen und Erfahrenen stand die Demut vor ihm, die den Grund aller Predigten, den Gegenstand aller Gebete bildet. Vor ihr, fand er, sind alle Religionen gleich bis auf den zarten Duft ihrer Legenden, das Aroma ihres Weihrauchs.

Als er frohen Mutes, sich dieser so gewonnenen Klarheit freuend und sonst ganz ohne Wunsch, weiterzog, holte er schnell den lahmen Wanderer ein, der vor ihm ging – seinen ältesten Bruder und hatten auch das gleiche Ziel.

Als der Junge gestorben war blieb der Pfleger doch in „seinem“ Heim – aber einsam zwischen den vielen, die ihm anvertraut waren – bis eines Abends, als er zum Luft holen vor die Tür getreten war, seine Brüder vor ihm standen, in eine leere Kammer zogen und ihm zur Freude blieben. Die drei Brüder lebten dort, wartend – bis der Tod sie holte. Dieses Warten auf das Ende war auch seine Alternative.

Bottrop im Jahre 1903; da war der spätere Mondfahrer geboren worden, hatte seine Kindheit verbracht – wir hörten davon – und war im Schatten der Fördertürme unter den rußschweren nassen Wolken die der ständige Westwind über das Land an der Emscher trieb in die Schule gegangen – ein Krieg kam und ging und die Franzosen – hatte sich, naturwissenschaftlich und technisch interessiert und bergbauinfiziert an der Bergbauakademie in Clausthal eingeschrieben und diese nach glänzend bestandenem Examen als Bergbauingenieur verlassen – das war im Jahre 1925. Inflation, Stellenabbau, Arbeitslosigkeit – dann lieber den großen Sprung, die Staaten. Wie auch immer der Anfang war. Aber als er sich bis Pittsburgh durchgeschlagen hatte, siegte das deutsche Examen über die konkurrierenden Bewerber – vielleicht, weil der Personalchef ein Einwanderer aus Essen-Kupferdreh war – er bekam den Job und fünf Jahre später auch die amerikanische Staatsangehörigkeit. Aus dem Bottroper Hänschen war John geworden. Er war in eine Wirtschaftswelt eingetreten in der Fortschritt am schnellsten durch Wechsel erreicht wurde und er wechselte oft und schritt fort bis er – den zweiten Krieg seines Lebens als unabkömmlich in der Kriegswirtschaft beschäftigt nur von Ferne erlebend – bei Boeing als Fahrwerksspezialist seine Lebensstellung gefunden hatte. Eine „Lebensstellung“ als Ehemann hatte er schon früher, im heißen Texas mit der Erdölförderung befasst, bei seiner ersten festen Freundin Ann gefunden. Sie liebten sich aber Kinder hatten sie nicht bekommen – waren miteinander herumgezogen, waren miteinander glücklich.

Lebensstellung? Es kam anders: Mit dem Beschluss Eisenhauers im Jahre 1953 in Vorbereitung des ersten internationalen geophysikalischen Jahres, das für die Jahre 57/58 ausgerufen worden war, Raketen und Satelliten zur Erkundung der Erdatmosphäre zu bauen, war eine neue Entwicklung und Forschung als Aufgabe gestellt worden, die Spezialisten vieler Fachrichtungen zusammenführte, die meist nie vorher daran gedacht hatten, sich mit Problemen der Raumfahrt zu beschäftigen. So warben sie auch ihn an, den Fahrwerksspezialisten bei Boeing. Von Anfang an dabei war er schließlich zum zweiten Mann im Projekt aufgestiegen – war nun die Seele des Kampfes um den Mond.

14.

Ja, das war sein Ding. Mit dem Entschluss allein war es nicht getan, nein, erst mussten die Anderen, die Berater und der Präsident selbst überzeugt werden – sein Diktum: Ja, aber streng geheim, für immer! Er würde also der Erste sein auf dem Mond – aber niemand würde es wissen, niemals. Wir wollen dem Leser die Protokolle über die Zeit der Vorbereitung, wie sie jetzt zur Auswertung zur Verfügung stehen soweit sie erhalten geblieben sind, ersparen; sie würden leicht ein eigenes Buch füllen. Und über seine Gefühle und Gedanken in dieser Zeit hat John nichts hinterlassen Mit den freigegebenen Akten liegt aber der Bericht vor, den er in der Druckkamer hinterlassen hat in der er starb. Dort haben Neil Armstrong und Buzz Aldrin ihn gefunden und zur Erde gebracht. Seinen Freund John ließ Neil dort.

„A b s c h l u s s b e r i c h t Heute ist bei Euch der 10.12.1967 Mein Pflichtenheft umfasst die Führung eines Tagebuches – aber es gibt nicht Tag noch Nacht, nur gleißendes, blendendes, kaltes Licht. Die Sonne ist erbarmungslos, durch keinen Dunst gefiltert: keine „Tage“, kein Tagebuch! Abschlussbericht? Ja, ich will den Abschluss. Mit einem kräftigen Biss will ich die Kapsel zerstören – mich. Meine Mission ist erfüllt, die Erde dreht sich unerreichbar fern, mir so fern wie Euch der Mond über dem Waldrand. Ich hab es so gewollt – ich will es so! Nach dem Tod meiner geliebten Ann blieb mir nur ein einsames Altern – oder dieses wunderbare tödliche Abenteuer. Ich denke oft an die, die wie ich freiwillig in den Tod gegangen sind, die glaubten, damit etwas Gutes zu tun, wie ich. Die bittere Wahrheit ist, man kann vom Glauben nicht auf die Wahrheit des Geglaubten schließen, nicht beim eigenen Glauben, nicht bei dem der Anderen – auch nicht wenn einer dafür in den Tod geht, – wie ich. Ja, Amerika kann nun hoffentlich das Erste sein hier oben, ein Amerikaner wird sagen: „Ich war auf dem Mond und bin zurückgekehrt.“ Man wird stolz darauf sein, sehr stolz – aber zu welchem Ende? Wird mein Opfer Gutes wirken? Eine deutsche Ballade, die ich in der Schule lernte, endet mit den Worten:“ . . . kieloben treibt das Boot zu Lande und sicher fährt die Brigg vorbei!“ Kann ich durch meinen Tod dazu beitragen, die Brigg zu retten? Ich muss auf die Giftkapsel beißen, ehe mich die Kraft verlässt. Ich will es noch wollen können. Seite 25. Den technischen Ablauf während dieser Stunden hier auf dem Mond habe ich berichtet und die Beobachtungen, die Daten, die Fakten, um derentwillen ich hier bin, zur Erde gefunkt als es noch möglich war und ich habe Eure Antwort empfangen. Mit diesen Informationen kann jetzt der „erste“ Besuch eines Menschen mit der Chance zur Rückkehr vorbereitet werden. Ob es mein Freund Neil sein wird? Ich wünsche es ihm! Meine Arbeit im Schatten der Landefähre gelang trotz der Behinderung durch den Raumanzug und den Helm gut – beides konnte ich nur zu kurzer Rast in der Druckkammer der Fähre ablegen – und es gab keine unerwarteten Zwischenfälle. Es ist geschafft, die Übertragung zur Erde ist abgeschlossen. Die Verbindung ist abgebrochen, ich kann nicht mehr senden noch empfangen; ich bin alleine. So muss ich diesen Bericht auf Band sprechen. Sie werden ihn finden, wenn sie kommen. – wenn sie je kommen. Gefühle, Empfindungen? Ein Rausch? Nein, eine kühle Klarheit ist es, die ich hier erlebe, die mich erfüllt seit ich den Schockzustand des Raketenstarts hinter mir gelassen habe – eine Klarheit, die dem Ton h entspricht , auf einer ewigen Orgel gespielt in dieser tonlosen Erdenferne der blaue Planet ein Gestirn kein Sauerstoff mehr der Knopf . . . „

Scherzo: Noch einmal baden, den Staub der Erde . . . Solch ein Bad war ihm noch nicht untergekommen. Es blinkte von allen Seiten und über ihm: Rohre, Griffe, Halter, Brauseköpfe – später würde man es wellness nennen und Spa – der Weltraumingenieur zögerte, wo beginnen, wie agieren? Ein erster Versuch: eisiges Wasser traf ihn im Rücken, dann, von oben tröpfelt Warmes, nur Mut, dieser Hahn müsste doch zu jener Dusche gehören? Beinah hätte er sich verbrüht, zurück. In Kniehöhe hat er Erfolg, er kniet davor aber der warme Strom versiegt – was nun mit den eingeschäumten Haaren? Ein weiterer Griff, harte, nun wieder kalte kräftige Wasserstrahlen von allen Seiten, er zieht an der Schnur mit dem Ring: endlich hüllt ihn eine volle warme Dusche wohlig ein – der Staub der Erde . . .

Am 29.7.1969 fand Neil Armstrong das Band im Gerät auf Johns Schoß in der Druckkammer der Fähre und brachte es mit zur Erde. Der erste Mensch auf dem Mond blieb dort, erstarrt wie im Moment seines Todes in der ewigen Eiseskälte – über dem Waldrand aufsteigend als silberne Scheibe, untergehend im Morgennebel der Zukunft. Am 29.7.2009, vierzig Jahre später, wurde der Bericht mit allen anderen Zeugnissen des Projektes von der Regierung freigegeben ohne das Gebot des damaligen Präsidenten zu respektieren. So wurde doch noch bekannt, dass dem triumphalen Sieg ein stilles Opfer voran gegangen war.

Der Mann hieß Hans Portmann und nannte sich in Amerika John. Ehre seinem Andenken.

E p i l o g

Tief im Süden oder hoch im Norden; wissen wir, wo es ist: das Tal – groß wie eine Welt – in dem die Sonne nicht aufgeht und in das der Mond nicht schaut. Dort . . . Das dunkle Blau wurde heller vom Rand ihrer Welt bis zum Zenit, die dunkelste Farbe ein mattes Gelbgrün, Bäume mit dem schimmernden Glanz frisch gestochener Spargelstangen, weiche Konturen ohne Schatten. Der scharfgeschnittene Rand der Welt hatte sich tief eingeprägt in alle ihre Sinne, das erste Ahnen des beginnenden Einatmens eines neuen Tages, sanfte Linien ohne Innehalten des Fließens ansteigender Helligkeit zum Leuchten im Höhepunkt dieser und jeder vergangenen und jeder noch zu erwartenden Welle von Licht – ihrem Atem, und dann wieder die langsame Verdunkelung ihrer Welt bis zum blassen Licht der Sterne – manchmal Sterne, manchmal nicht. Grenze ihrer Welt jenseits des schroffen Anstiegs scharf geschnittene Kerben und sanfte Kurven wie die Rundungen der Mädchen, sanfte Wellen wie die Lenden der Jungen und so im Wechsel. Die Melodie über dem gleichmäßigen Atem aus heller werdenden und sich verdunkelnden Stunden bot das sich ständig verändernde Spiel der Wolken, der blassen Dünste, der Blautöne und rosa und gelben Nebel, der grauen Gebirge aus denen krachende Donner und leuchtende Blitze fuhren, Regen prasselte oder nieselnd auf die blass gelbliche Erde sank und um die Bäume in ihrem spargelfarbenem Schimmer waberte. Der Alte wachte bei der Gebärenden wenn der Donner grollte und Wetterleuchten zuckte. So hatte er gewacht bei Vielen seit sein Lehrer ausgeatmet hatte und dem Wechsel von Hell und Dunkel nicht mehr folgen konnte, in die Helligkeit getragen von starken Armen am jene schroffe Stelle im weiten Rund ihres Weltrandes hinter dem die große Helligkeit loderte, alles verbrennend. Die Arme hatten ihn über den Rand gestoßen, die Augen folgten ihm nicht. Er erwartete das Kind, das ein Blitz im Herniederfahren zur Welt bringen würde aus dem Schoß einer Frau, die in freudigem Schrei aus der Tiefe ihres Leibes den Sehenden entlassen würde, der ihm nachfolgen sollte, wenn starke Arme auch ihn über den Weltrand stoßen würden ohne das die Totenträger jemals ihre Augen der Helligkeit jenseits ihrer Welt öffnen würden. Die Mutter ging dann mit dem Neugeborenen zu ihm und wartete den beiden auf bis auch ihre Zeit gekommen war. Der erste Blick der Kinderaugen folgte schon dem Zug der Wolken und es lernte seinen Atem an den Weltatem von Morgen und Abend zu binden bis sein Einatmen und Ausatmen so lange dauerte wie der Wechsel von Hell und Dunkel dauert. Mit solch langem Atem kann man nicht sprechen und so teilten sich die, die den Zug der Wolken deuten konnten, in Bildern mit. Irden sind ihre Farbe, leuchtend weiß der Kalk, ocker oder rot, braun und grau. Sie kennen das Schwarz des Graphits und des Erdpechs, des klebrigen, ja, den blauen Glanz gemahlenen Schiefers, Lapislazuli kennen sie nicht. Wasser stürzt vom Rand ihrer Welt, Wasser stürzt seit alter Zeit in Schluchten und schleift die Wände glatt – Malgrund für das Bild. In unzähligen Schichten legen sie Bild über Bild der Ordnung des Lebens bis neue Lebensordnungen zu neuen Bildern werden im ständigen Wechsel zwischen Hell und Dunkel. Der Seher geht umher und sieht sich die Weltbewohner an: atmende wie seine Mutter, für die er seine Bilder über die älteren Schichten malt, hechelnde, japsende, fauchende, fliegend, laufend, krabbelnd und auch alles was ohne Atem lebt, schwimmend im Wasser der Seen, kriechend in der Erde. Dazu die Pflanzen, die am System des Atmens teilhaben, sich öffnen und schließen und auch jene, deren Atem so langsam geht, dass die Zeit des Beobachters nicht ausreicht, den Rhythmus dieses Atmens zu bestimmen. Aber ihre Blüten geben der Seele Nahrung und die Blüten, die ihnen reifen, dem Leibe, ihre Wurzeln und Knollen stärken und heilen, ihre Rinde labt die Kranken. So malt er es in seinen Bildern und so nutzen es die schnell und die langsam atmenden. Die Bilder helfen auch denen, die sie nicht zu lesen vermögen. Aber alle verstehen die Blumen. Da das Atmen ihr Leben ist, das Öffnen und Schließen, ist die Blume das göttliche Bild das sie anbeten. Wie die Brust vom Atem anschwillt, schwillt ihre Knospe unaufhaltsam, öffnet schmale Spalten, lässt hauchdünne farbige Häutchen sich entfalten um, ohne die Wende zu signalisieren, wieder zurück sich zu bilden bis zu der weichen Form der Frucht ausatmend, einer neuen Blüte Raum zu geben: göttliches Bild des Lebens in dem Tal weit weg am Rand der Erde in dem man die Sonne und den Mond nicht sehen kann, weil sie so hoch nicht steigen. Von den Bewohnern dieses Tales ist bis heute niemand aufgebrochen um über den Rand seiner Welt zu schauen – noch gar, auf einen Mond zu fliegen. Sie lieben die Erde so wie sie ist und die Sterne in der Nacht in ihrem goldenen Glanz, die ihnen Symbol sind für das ewige Werden und Vergehen, für das Hell und Dunkel – jede Nacht, jeden Tag.