Malen am Wasser

Repro2006 007

M a l e n    a m    W a s s e r

 Mit Wellen, ohne Wellen, neblig, Sonne von vorn, von hinten, spiegelnd, glatt, gischtendes Brausen. Kaum jemand badet Ende Februar schon im Pazifik – die Wellen sind schonungslos hart wie die des Atlantik an der portugiesischen Küste – aber malen kann man  sie gut vom windgeschützten Balkon des Motels aus mit dem ganzen Gewimmel am Strand.

Auch aus der heißen Sonne Sansibars habe ich mich oft auf die schattige Terrasse des „Ocean Lodge“ – Hotels mit seine drei Gästezimmern zurückgezogen: die schwarzen Jungs direkt hinter mir, dann die größeren, auch einige  Männer – staunend wie „ihr“ Fisch auf der Leinwand wieder erstand, murmelnd, lauter – bis ich sie verscheuchen musste weil das Geschnatter überhand nahm.

So schön die Einzelstimme ist: Der Fischer hat sein Segel aus alten Reissäcken  gehisst und den Einbaum – selbst mit dem Beil aus dem Holz geschnitten –  in´s Tiefere geschoben bis die steigende Flut ihn flott gemacht hat und nun steht er darin, andere mit ihren Booten schon voraus: da klingen ihre Rufe im vokalreichen Kisuaheli über das Wasser wie Musik in Rede und Antwort weit draußen.

Ganz anders auf Thailands Inseln. „Ressorts“ bieten dem Touristen ihre kleinen Hütten, drei mal drei auf Pfählen, die Sonne scheint von allen Seiten durch das Bambusgeflecht, dazu 70/70 das Waschduschkloh – Gekkos liegen auf den Balken regungslos und schauen Dich an. Morgens, Mittags, Abends: Reis und Gemüse, manchmal Fisch. Schnorcheln bei Flut (nach zehn Wochen sahen wir immer noch mal einen neuen Fisch, der sich uns noch nicht gezeigt hatte ) und dazwischen Malen.

Auch bei den „Seezigeunern“ (Thailändische „underdogs“) die völlig für sich mit vielen Kindern in wenigen malerischen Hütten leben – keine sprachliche Verständigung aber Kokosnüsse frisch vom Baum,daumennagelgroße Austern mit kleinen Hämmerchen frisch von den Klippen gepickt wenn diese bei Ebbe aus dem Wasser ragen, – am nächsten Tag haben wir den Kindern kleine Geschenke mitgebracht.

Zweimal haben wir den Berghügel überquerend – schweißnass wie in der Sauna – das Westufer erreicht über wesentlich größeren Korallen in noch phantastischeren Formationen geschwommen; jemand erzählte, wie eben dort drei Haie um ihn herum seien und dann in´s offene Wasser – er, heil, an Land zurück.

Ein Drama war´s aber keine  Tragödie als Eberhard sich mit Spucken und Durchfall hinlegte, nachts sein Leben Revue passieren ließ so das ich Mister EY mit seinem „longtailboat“  beschwor uns schnell (die Fahrt dauert eine Stunde, E. weiß wie die Wand hängend auf der Rückbank)  zur Küste zu bringen, Taxi zum Krankenhaus. Schon in der Eingangshalle ließ der Arzt einen Tropf installieren, der in 24 Stunden  dreieinhalb Liter Salzlösung in die Adern tröpfeln ließ plus einige „harte“ Tabletten – nach 24 Stunden wurde er geheilt entlassen.

Im weitläufigen Marktgebiet Trangs mit den exotischen Angeboten undefinierbarer Speisen und einigen lustigen Aufklärungsgesprächen wurde mir die Zeit nicht lang.

Alle Bilder dort sind entstanden zwischen Sand und Meer – Strand war d a s Thema. Jeweils abends oder morgens, die Sonne vor mir oder im Rücken, die wildzerklüfteten Kalkfelsen, die aus dem Meer ragen mal als scharfe Kontur mal malerisch ausgeleuchtet im vollen Nachmittagslicht, das Meer wechselnd in allen Pastelltönen schimmernd, oft wie Perlmutt changierend – weit hinten am Horizont von der Kante des Festlandes gesäumt.

Und mittags, abends, morgens: „ fried rice and fish“ zehn Wochen lang. E. bestellt „lemonjuice“, – „Me too!“ – Wir bekamen drei!

 Berichte von Malreisen nach San Diego, an die Algarve und nach Santa Lux (nördlich Lissabon) nach Page auf Sansibar, Kho Ngai im Süden Thailands      

Das Schalentier

LA Scorzuola 055

Das Schalentier trägt seine Heimat in der Haut.

 

Insofern auch die Katzen mit ihrem weichen Fell neben allem bleiben und doch immer schön anzuschauen – stand er, Vater von Beruf –  und sah von Ferne zu.

Aber anders als im echten Leben konnte ihn sein Spiel rühren.

Ein Griff zur Rechten, immer wieder Ersehntes, er ließ es zu, lauschte,atmete tief: „Komm! Komm! Komm zu uns, in mein Herz, unser Haus,aus dem mein Vaterstolz Dich grob vertrieb.Die Katze schnurrte – unbeteiligt. Shine war nicht mehr!David kehrte heim. Nur das Schalentier trägt seine Heimat in der Haut.

 Titel: Das andere Ende eines Filmes

 Das Schalentier trägt seine Heimat in der Haut.

 Die Erscheinung der Hunde, verbrämt, wie er sie mit der Kelle geschaffen hatte, war das Grab zu tief geworden. Das neugierige Kind, grad sah man noch die blonden Locken – fiel hinein, schwierig es heraus zu holen rutschend auf dem nassen Lehm und hatte doch das Rumpelstilzchen spielen wollen aber den Fuß verstaucht, grad auf der Generalprobe war der Steckenzaun abgebrochen von den vielen Jungen die hinaufgeklettert waren.

Maurer ist man nur für Geld, scheit- und lotrecht und keiner, der Hunde macht ist ein Maurer, und auch nicht richtig froh wie das blonde Kind das war nichts als das Kind und hier war es zu Hause

       denn nur das Schalentier trägt seine Heimat in der Haut.

 Titel: Rumpelstilzchen

 Zum Dritten: Das Schalentier trägt seine Heimat in der Haut

 Falken stinken, kalter Rauch auch und abgestandene Luft, Männer, die sich nicht waschen vor Tapferkeit und Mut und essen zu viel Fleisch.

Wenn sie nach Hause kamen gab´s viel zu erzählen. In den ersten Jahren hatten sie noch diesen oder jenen erschlagen – aber, ein Bericht ist eine Bericht und die Welt der Taten weit und breit nicht mehr zu sehen (und alles ohne Telefon!)

So hatte heute jeder sein kleines Haus im Wald  ringsum mit Frau und Kebse nebenbei und dachten sich die Taten nur noch aus – was sie viel kühner machte –

Und Artur, der selbst nie weg gewesen war von Hause, war´s so recht,schlief er ja doch schon beim dritten Humpen ein, da er doch die Heimat in der Haut – der eigenen – trägt.

 Titel: Aus Arthur seine Runde

 

Letzte Meldung:

 

Bahrain 10.12.2004   Archäologen der dortigen Universität haben bei

Grabungen im Gelände des früheren Paradieses ein männliches Skelett

mit deutlich verkürztem Rippenbogen gefunden welches als Adam identifiziert werden konnte, da es einen Apfelrest ( Kerngehäuse ) in der Hand hielt. Wie dazu aus Rom bekannt wurde, denkt man im Vatikan deshalb daran, einige Episoden der Bibel neu zu fassen um dem sensationellen Ausgrabungsfund gerecht zu werden.      

 

Eberhard Kulenkampff

Acquanera             2004

La roche du Feu

L a   R o c h e   d u   F e u

Am27.7.1994

 

Zweihundert Meter etwa tiefer liegen die Weinberge als grob gewebte Stoffe aus laubgrün mit dazwischen ockerfarbenem Nockengewebe – im blau verwaschenen Overall der Winzer. Bindet er Trauben hoch, kappt er unfruchtbare Triebe, sammelt er Schnecken in einem roten Kunststoffeimer?

Die Höhe der schroffen Kalkfelsen hat nichts heroisches, weil sie eingepackt sind im krausen Teppich des bergan steigenden Waldes

Gleich über alle Hänge hin, verschieden Blatt für Blatt – Verzweigungen.

In den Taleinschnitt dringt der Dunst der Hügel Burgunds.

Der gewaltige Druck der Alpenmassive, flüssige Granitmasse, die aus dem Erdinneren heraufstieg, hatte alle Kraft gebraucht, den Kalk hier von seiner Meerestiefe hoch zu pressen in unsere Höhe – Burgund liegt auf dem Meeresgrund bis es jenseits im Westen ansteigt zu den Höhen des Marvan. 

Nahe sind die blasslila überhauchten Blütenkugeln des wilden Knoblauch mit den zarten weißen Zwiebelchen im morschen Boden zwischen den Steinen, nah sind blaugrüne blasse Fiederblätter an Handspann langen Rispen, ebenso blaugrüne fadendünne Grashalme und das Kraut des wilden Estragon, gelblicher das Grün einer anderen spitzblättrigen Pflanze und der Eichenblätter wenn die Sonne hindurch scheint. Fruchttragende Rispen in hellem Ocker, kränklich dürren Mooses und kadmiumgoldene Flecken auf dem weißlich grauen Stein Dumpfes Grollen im Berg, Jazztrompetenstöße, rythmisches Rollen, leises Verrauschen  begleitet die Durchfahrt eines Zuges durch den dunklen Tunnelmund, durch die Einschnitte im hügeligen Bergwald.

Warum hier oben ein Zug? Woher, wohin? 

Die Schatten unter den Obstbäumen unten unterhalb des Weinberges sind kurz geworden im hohen Mittag. Die Sonne ist stechend, der Dunst wabert über Burgund.

Nur ein Gewitter könnte Regen bringen – es regnet seit Wochen nicht.

 

 

Aus dem „schwarzen Buch“.

Schriftsatz über den Glauben – zwei

Da diese treibenden Kräfte so pauschal wie unscharf wirken, kann der Prozess, den sie antreiben nicht logisch, nicht geplant sich abgespielt haben, sondern kann nur als im eigenen Handeln sich als gestaltend erkennen gedacht werden. Die Menschen haben alle Gestalt gefunden    nicht gemacht. Das gilt besonders für die Gestalt der Ideen.

Aus: Rupert Sheldrake  „Das Gedächtnis der Natur“ Piper 1996

Rupert Sheldrake vermutet als Grundlage der scheinbaren Dauerhaftigkeit der Erscheinungen nicht Gesetze sondern Gewohnheit und denkt sich die wirkenden Kräfte in „morphischen Feldern“ wirkend. Danach hätten die Menschen, die Tschatal Hüjük bauten, im Zusammensein in ihrer bewaldeten Heimat die Gewohnheit entwickelt, Gemeinschaft als morphisches Feld zu leben und Gewohnheit zu Gewohnheiten auslebend Stämme zu  vierkanten Balken zu schlagen, die Balken zu fügen, die Fache  mit  streng orthogonal geformten Lehmstücken zu füllen    kurz, Häuser zu bauen in Gemeinschaft, und wenn sie genug Häuser hatten, für jede Familie eines, damit aufzuhören    und so weiter.                                                              Wer denkt da nicht an die Selbstverständlichkeit mit der Bienenvölker, Vogelschwärme, Fischschulen, Erdmännchen oder Bisonherden . . .

So, wie bei den Bienen unterschiedliche Funktionen von verschiedenen Gruppen wahrgenommen werden, die „Königin“ zwar „erste Dienerin„ ihres Volkes aber nicht Herrscherin im hierarchischen Sinn ist    kann so nicht in Tschatal Hüjük und allen anderen zeitgenössischen Lebensgemeinschaften mit spezialisierten Arbeitsgruppen ohne hierarchische Organisationsstruktur gelebt und gewirkt worden sein in unendlich erscheinender Geschlechterfolge?

Nun fand man schon dort wie mehrere tausend Jahre später bei den Hethitern  den Stierkopf mit dem weit ausladenden Hörnerpaar dargestellt. War der Stier ihnen schon ein göttliches Wesen? Trat zum Staat schon der „Gott“? Ebenso wie der Stier ist die Fruchtbarkeit in unzähligen Figürchen und Bildern als meist üppig ausladende weibliche Figur dargestellt –  als „Göttin“?                    Mehrere Darstellungen verbinden beides: Frauen gebären Stiere. Gott, Göttin? Das dürfte erst unsere rückblickende Interpretation sein. Nicht selbstverständlich werden aus Symbolen Götter!

Noch ein paar Informationen zum Stierkult: Länger als alle anderen uns bekannten Kulte ist er verbreitet, jedenfalls, wenn man von den heiligen Kühen in Indien absieht, von Anatolien etwa 8000 v.C. bis ans Schwarze Meer, die Donau aufwärts, Italien bis in den Süden  hinunter, über die keltischen Gebiete, England bis zu den Hebriden und zeitlich bis ins 1.Jahrt.n.C. Wesentliche Eigenschaft des Stiers ist wohl seine Stärke, und die liehen sich Staatsmänner (Könige etc.) öfter aus als Götter. Wenn im Stier Göttliches angesprochen worden sein sollte, so   „nur bis diese Götter starben, denn die unsterblichen Götter leben nur so lange, wie die sterblichen Menschen sie brauchen.“ (J.Lehmann)

Nach: Kölner Museen   „SAHARA“   Ausstellungskatalog

Auf der Suche nach den Anfängen und damit vielleicht nach den Entwicklungsstadien, in denen die Menschen sich noch nicht gegenseitig bekämpften weil sie das noch keinen Göttern schuldig waren und noch keine Staaten bildeten zu Angriff und Verteidigung, bietet auch Nordafrika neben den erwähnten südwestafrikanischen Zeichnungen reiches Anschauungsmaterial. Es wurde erst kürzlich  in dem dickleibigen Katalog der Ausstellung„SAHARA“ dargestellt. Lebenszeugnisse von wohl drei mal vier Jahrtausenden vor Christus in  Werkzeugen und Bildern, Einritzungen und Malerei, haben sich, nachdem das ägyptengläubige Europa es von dort inspiriert glaubte, inzwischen als ganz eigenartig, als selbstständige Schöpfung der teilweise negroiden, teilweise unserem Typus angehörenden Menschen erwiesen. Immer noch ist in diesen unendlichen und schwer zugänglichen Räumen mit neuen Entdeckungen zu rechnen.

Eine Stadtkultur, wie wir sie schon im 6.Jahrtausend v.C. in Anatolien kennen gelernt haben und wie sie auch in Kleinasien damals begonnen hat (Jericho, Undita u.a.)  hat es hier in so früher Zeit nicht und später nur aus fremden Einflüssen gespeist gegeben.

Aber auch hier: Die Bildergalerien aus früher Zeit decken alle Lebensbereiche, meist detailliert, ab    aber Gewalt zwischen Menschen kommt darin so früh nicht vor  und Götterbilder vor der Staatenbildung am Nil, also wesentlich später, auch nicht.

Mir drängt sich der Schluss auf, der zwischen Anthropologen vielleicht ja schon Allgemeingut ist, dass Gewalt zwischen Menschengruppen Gottesvorstellungen und „Staaten“bildung voraussetzt, ja, als andere Seite der gleichen Medaille zu betrachten ist.  Wird der Mensch erst in Gesellschaft „böse“?

Da fällt einem dann die Beobachtung aus dem letzten, dem                    b e g e i s t e r t e n  Jahrhundert ein: die Beobachtung, dass Einzelne, die sanft und gut gelebt haben und  eine friedfertige Gesinnung, ausgeprägte Kultur und Menschenwürde, hohe Bildung und christlichem Glauben hatten, im Rahmen institutionell organisierten Handelns zu Greueltaten der schlimmsten, der allerschlimmsten Ausprägung fähig waren; in einem Umfang, der jede Vorstellung überschreitet    im deutschen Reich, in der Sowjetunion, in Rotchina und in kleineren Zahlen in fast allen Regionen der Welt, auch heute noch: Balkan, Ruanda, Dafur und, und . . .

Das begeisterte Hinschlachten von Menschen aus ideologischen Gründen, dass es in kleinerem Maßstab schon etwa seit dem 3.Jahrtauzsend v.C. gab (siehe dazu u.a. die assyrische Expansion, Bibeltexte und später die Inquisition) findet  nun in industrialisierter Form mit Millionen Opfern statt.

Wenn der Zweck die Mittel heiligt, kann man eine Axt schleifen, um einen gesunden, starken, schönen Baum zu fällen    aber man kann auch eine Guillotine konstruieren um das Kopfabschneiden zu optimieren und alles Spätere: Gaskammern, Gulag und und  und . . .

Mir scheint der Grad der Begeisterung mit der das vorbereitet und exekutiert wurde charakteristisch für das 20. Jahrhundert. Meine Familie, meine Brüder, ich selbst, wir sind von Liebe umgeben und geleitet zu gebildeten, christlich orientierten Menschen heran gezogen worden    und haben das nationalistisch aufgerüstete, ideologisch exaltierte Dritte Reich unter Hitlers Führung  (den geliebten Führer)  mit Begeisterung unterstützt, wo immer man uns hinstellte, wo immer und zu was man uns rief, begeistert! Es ist nicht unser Verdienst, wenn wir zu Schlimmerem nicht befohlen wurden.

Also: Ein Fluch der Begeisterung, ein Fluch dem Glauben, der Gestalt gewinnt!

Die äußeren Erscheinungsformen der Begeisterung „Im Verein“: Marschierende Kolonnen singen! (Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen, oder: Wir werden weitermarschieren, wenn alles in Scherben fällt, denn heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt, oder: Wenn alle untreu werden, dann bleiben wir doch treu)  Was ist hier aus dem „gehenden Tier das singt“ geworden? Der Geist, der ihn beseelte ist zur Begeisterung verkommen, die Gläubigkeit  als Lebensgefühl zum Glauben erstarrt, das Miteinander wendet sich in „Kampfgruppen“ gegen die Anderen, Programm als Lebensform. Auf allen Seiten wird geglaubt.

Aber, ja, es gibt ein „aber“, dass wir dieser schrecklichen Begeisterung entgegen zu halten haben: Es sind die Milliarden, in solchen Zahlen rechnet Menschheit heute, , es sind die Unzähligen, die ein gutes Menschenleben leisten, die sich mit dem Ihren und den Ihren beschäftigen und davon erfüllt sind, die ohne Neid um sich schauen, den Tisch aufdecken für ihre Lieben und wieder abdecken, Staub wischen –   und keinen aufwirbeln    ordentlich sind, auch wenn´s keiner sieht, schöpferisch im Kleinen ihrer täglichen Verrichtungen, die zornige Faust, die auch sie manchmal ballen zur streichelnden Hand wieder öffnen, gläubig nur in dem Sinne, gut zu sein ohne Ziel und Lohn. Ihre Einstellung zum Leben und zum Sterben drückt diese Abwandlung des „Vaterunser“ aus:    

Ihr nennt IHN Vater, Gott? Nein.                                                             Kein Name kann das Namenlose begrenzen,                                                           kein Reich und kein Wille beherrscht                                                               die immerwährende Wandlung,                                                            nicht unsre, die wir leben in Raum und Zeit,                                                                 noch im All, wo alles nur Jetzt ist und Hier.                                                         Wir sind  ein Teil des Ganzen                                                                       ohne Bitten und eigenes Tun.                                                                               Nicht Schuld noch Verdienst sind uns gegeben,                                         aber die Kraft und die Herrlichkeit!                                                               Und so sei der Mensch ohne jede Berechnung                                  „Edel und hilfreich und gut“,                                                                           aus Gewohnheit oder Gesetz,                                                                             alles ist gleich.

Zwei gegensätzliche Grundvorstellungen stehen sich gegenüber:     Die Welt ist tödliches Chaos, wenn wir nicht Leben schützende Ordnung dagegen setzen    so Saint Exuperi in „Die Zitadelle oder die Stadt in der Wüste“ –  dagegen: Die Welt ist tödliche Ordnung, wenn nicht Leben gebärendes Chaos diese Ordnung aufbricht.                    Die einzige Einschränkung der unbeirrbaren Kraft der Vitalität, der Kraft alles Lebenden, mehr Leben zu leisten, ist die Freiheit des Menschen zwischen Chaos und Ordnung seinen Weg zu suchen, den Tod oder das Leben zu wählen; singend, gehend, singend, gehend     gläubig in dem Glück, zu leben. 

Texte zur Sache:

„ Denn wie immer der Schritt vom Kulturkritiker zum Anthroposophen zustande kam, ob der Goethesche Pantheismus, der indische Hinduismus, der deutsche Idealismus oder nur die soziale Not  Rudolf Steiner dazu bewegt haben, sei dahingestellt. Entscheidend ist: Es handelt sich um einen Glauben, nicht um modernes Wissen. Steiner glaubte an den allmächtigen göttlichen Geis, der im Rhythmus des großen Weltenatems weht in der Materie, im Menschen, in der Natur und in der Geschichte. Er glaubte an die großen Korrespondenzen zwischen allem Lebendigen, an einen klingenden Kosmos aufeinander antwortender Analogien. Er glaubte an die stufenweise Vergeistigung und Selbstverbesserung  des Menschen und der Welt. Er glaubte an den Sieg des Guten.“         Nach Heiner Ullrich, „Rudolf Steiner Leben und Werk“                       und Miriam Gebhardt „Rudolf Steiner  Ein moderner Prophet“

„Glücklicherweise ist das Wesen des Menschen nicht nur Verzweiflung, sondern auch Glaube und Hoffnung, nicht nur der Tod, sondern auch der Wille zum Leben, nicht nur die Einsamkeit, sondern auch die Augenblicke  des Aufgehens im Anderen in der Liebe.“   Nach Ernesto Sábato   „Über Helden und Gräber“

„Hoffnung besteht für den Menschen nur dann, wenn er aus Geschichte und Gesellschaft heraustritt und in der Vereinzelung die Leere des Daseins überwindet.“                                                                 Nach  Hans Erich Nossak   „Nach dem letzten Aufstand“  

Schärenglück

S C H Ä R E N G L Ü C K

 Wenn Natalie schwedischen Granit am Originalschauplatz   am Skagerak   malt und das Meer im Hintergrund   voller Segel . . .

dann sitze ich dabei und sehne mich nach einer Bootsfahrt, sehne mich nach den Segelturns mit „BIP“   unserem Segelboot während meiner Kieler Zeit.

Natalie: “. . .  und eine Nacht auf den Schären, allein zu zweit. . .“

Die Kunststoffnussschale mit Außenbordmotor war zwar hellblau,konnte sich aber, zumal sie kein Segel hatte, mit der 12m-Hochseeyacht BIP nicht messen – aber wir fuhren mit einigen Proviantresten aus dem VW-Bus  los: . . .weiter hinaus auf´s Meer, tuckernd der Motor, schwankend im Schwall größerer Boote – glücklich!

Passierten mehrere Klippen die aus den sanft wogenden  ( „Meeresstille, glückliche Fahrt“) Wellen ragten, sonnten uns und küssten uns –  bis es nicht mehr weiter ging! Im flachen Wasser zwischen zwei Inselchen hatte die Schraube Algen zu fassen gekriegt, mit der ganzen Energie des 18 PS Motors fest um die Achse gewickelt und wollte nicht mehr vor und nicht zurück, ließ sich nicht mehr hoch kippen, alles blockiert. Im kühlen Skagerakwasser strampelnd bekamen wir schließlich unsere Schraube wieder frei   die Fahrt konnte weiter gehen.

Die sinkende Sonne verabschiedete sich im Dunst als wir schon an einem Eiland festgemacht hatten, das leichte Boot hochgezogen und  festgebunden.  Ein Wind kam auf,  „ablandig“,  „auffrischend!“

 Zwei Murmeltiere  ( die gehören doch eigentlich nach Norwegen?  )hatten „unsere“ Schäre fluchtartig verlassen, schwimmend!

Wir waren nun allein auf der flachen Granitbank    unser ersehntes Glück    tief geatmet, voll genossen;  bis auf den Wind vor dem uns  nichts schützte.So kuschelten wir uns als es kalt wurde eng zusammen, rollten ein wenig hin und her bis wir die glatteste Mulde gefunden hatten und . . . keine Sterne, kein Mond, schnell ziehende Wolken, immer niedriger, drohender   keine Lichter mehr vom (nahen?) Küstenstreifen, keine Boote unterwegs. Aber der   ablandige   Wind frischte weiter auf, immer höhere (kleine) Wellen brachen sich gischtend am Stein,leckten höher. Unsere Wärme nahm ab! –  Der Proviant war längst verzehrt    und die Sorgen nahmen zu.

 Mit der leichten Nussschale gegen den Wind bei stärkerem Seegang?

Warum hatten wir auch keine Uhr dabei?  Wurde die nordisch helle Nacht nicht schon  heller? An Schlaf war nicht zu denken. Stunde um Stunde . . . oder doch nur Minuten?  Sollten wir uns nicht besser retten ehe es zu spät war?  Nein –  erst wenn´s ganz hell ist!  Doch   bevor die Wellen zu hoch, der Wind zu stark!  Nein   doch?

Schließlich:  Was Besseres als diese feuchte Granitbank findet man überall – – –

Der Wind trieb uns schnell ab nachdem wir uns von der Insel los gemacht hatten bevor der Motor sich zünden ließ   bis im Wind-schatten einer etwas höheren Nachbarschäre das Boot in Fahrt kam, lenkbar wurde und mit Spritzern von vorn bei jeder Welle Kurs auf Land nahm   so gut wir den richtigen Kurs zum Land vermuten konnten. So änderte sich auch das Ziel unserer Sehnsucht: Wärme plus Kaffee    das wär´s jetzt!

Als wir schließlich einzelne Kailampen blinzeln sahen, darauf zu hielten, erste Häuser als dunkle Schemen auftauchten   war alles finster, kein helles Fenster, kein Auto an Land, keine Boote unterwegs im Wasser: kein Mensch. Nächtliche Ruhe lag über der Küste.

Ich will es kurz machen: Es war  drei Uhr nachts als wir das Bötchen an einer kurzen Kaimauer  im Windschatten eines Hauses mit Restaurant neben der Dorfkirche mit der Turmuhr festmachten.

Kaffee, Wärme , – sicher nicht vor acht!  Das Auto mit Decken, Pullovern, Essen und Trinken und allem Kram? Jedenfalls nicht hier an der kurzen Kaimauer, fort, meilenweit nördlich? Oder südlich? Oder östlich ?  Schärenglück.

Alfred sagt

Alfred sagt – – –

 Ich kam ja erst spät dazu weil ich nicht von hier bin.

Der Hof hatte vorne Land und hinten, da war die Straße – später – also der Weg. Nein, da wohnte Silber-Meier. Das war der größte Schuft. Der!

Der Hans, – wir haben drei, der Hans hat jetzt den Hof – die sind ja Schuld! Erst mussten wir alle ran damit wir satt werden.

Dem Meier seine Frau die hat er schon betrogen als sie noch lebte – hat dem seine Frau – hat sich da ran gemacht.

Als alle satt waren wurden wir kaputt gemacht – die Industrie, weil,sonst könnte das Ausland ja nicht kaufen wenn die nicht liefern könnten.

Ohne die Frau hätte er ja das Geld nicht gehabt. Die war aus dem Osten, hätte da ein Gut gehabt – der Vater.

Der Hans, unser Ältester, ist jetzt Vorarbeiter bei der Gemeinde.

Und dann hat er sie geheiratet, in der Kirche, unglaublich, da sind viele ausgetreten das die das gemacht haben. Aber das mit dem Gut hat nicht gestimmt, nur so, die Emma hat die Familie gekannt, der war da Waldarbeiter oder so was.

Unsere Zweite hat nach Leer hin geheiratet.

Zur Bodenuntersuchung kam ich auf viele Höfe. Bei Silber-Meier – der hat alles nach der Reihe verkauft, alles durch-gebracht –warum „Silber.Meier“ – weil der schon mit Vierzig völlig weiß war! Überall hat der was faul gehabt!

Aber meine, das war ein Arbeitstier – hat nie die Hände in den Schoß gelegt. Die war eine gute Frau.

Erst stand ja nur das Haus am Karrenweg, kam alles später erst dazu.

Der Hans, die bauen jetzt Wege ,gepflasterte, überall herum mit seiner Kolonne. Als Bauer konnte der nicht überleben und der Jüngste hat studiert.

Nicht wie seine, die gingen auf den Bau und nun sind sie arbeitslos.

Aber Musik ist mir ein Greuel – kann ich nicht ab.

Kaffee nehm´ ich noch und räum dann den Tisch ab wenn Ihr zur Oper seid –

sagt Alfred.

aufgeschrieben nach einem Besuch in Oldenburg 

Plagiatage

P  L  A  G  I  A  T  A  G  E  N    P  L  A  G  I  A    T  A  G  E    P  L  A G I A T

 P. in hellem Hemd, offen, um ihn seine Jugendlichen;  er,  offen,    “understatement” pur. „Im nächsten Jahr habe ich noch ein halbes Kilo abgenommen!“ der schmale Spucht, aber muskulös, wie man´s vor Jahr und Tag in,  bestellten?  Bildern gezeigt bekam    „…nichts Krankes ist an meiner Politik, ich, mit offenem Hemd!“

 

Ja, Martin, Romananfänge wie die sommerliche Morgenstunde da alle Menschen sich frisch und neu fühlen, empfänglich für jegliche Sinnes- und Gedankenwunder (zum) spielerischen Zusammenspiel der Figuren,  wie der des älteren Freundes Peter Sch., der eine „fanatische Abneigung gegen Cezanne pflegte“,  das darf ein Maler! Figuren, die oft im Bett sind, „dem Ort wo gnädig der Traum regiert.“

 

Oder Jack U. von dem Elfriede Jelinek oder Günter Nenning, den ich nicht kenne, an den Bundespräsidenten, den in Österreich präsidierenden, schrieben: “Einen so gut auf die Freiheit vorbereiteten Mörder finden wir nie mehr wieder!“    nein, das hatte der Direktor der Haftanstalt gesagt!   Und U. weicht nach LA aus, weitere Prostituiertenmorde, bis er sich, verhaftet, selbst erdrosselt.  Die Kordel ist mit demselben Knoten geknüpft, den man auch bei seinen Opfern fand.

 

Anshu J. und Jürgen F.    nach römischem Vorbild, die auch schon zwei Konsuln beriefen, bevor Josef A.    nein, es war Julius C. die monobasiliske Herrschaftsform zur Perfektion trieb, also, die beiden werdens schon richten, ist doch wenigstens einer Investmentbanker    was man doch mit „C“ in bancer schreiben müsste    ob sich die beiden die BONI teilen?    Astrid Sch.. Coach in Berlin. weiß um die Probleme    aber ich weiß aus meiner Zeit mit Werner T.  das das auch gutgehen kann. Schade, damals kannte man das mit den BONI noch nicht so gut.      

Und Frank P.    der „Pabst“ heißt aber nicht ist    sagt auch, dass Quallen fast kein Eigenaroma haben  und sich deshalb so gut als Geschmacksträger eignen!    wie Kuddeln und z.B. Olivenöl,  füge ich, Hobbykoch für Gemüse, hinzu. Ferdinando B., Zoologe in Lecce, weiß, dass sie im Mittelmeer jetzt ständig präsent sind, früher nur alle paar Jahre für ein paar Jahre. Dabei kauft Frank P  siehe oben    in Vancouver nur die Schirme, denn die sind deutlich zarter als die eher gummiartigen Innereien!

 

Dagegen lehnt Karin H. in H., wo vermutlich immer noch keine Quallen auf dem Fischmarkt in Altona angeboten werden, sich zurück in die Kissen des eierschalenfarbenen Sofas als einem    für sie    privaten Ort, der    auf sie    immer beruhigend wirke. Und die Werber haben herausgefunden,  wie die Deutschen wohnen, und    die Praktikanten gießen die Blumen: die Müllers seien mit ihrer „Couch – Schrankwand – Teppich – Lösung“ ganz zufrieden. Aber Hartmut H.,  Professor von der Humboldtuniversität    früher Oldenburg    weiß: „Die funktionale Trennung . . . wird einem verstärkten Bedürfnis nach Flexibilität weichen!“.

 

Aber nun, Elham al-Q., diese zierliche Frau in der schwarzen Abbaya, weiß heute, dass die    eigenen    Grenzen  viel weiter entfernt liegen, als man denkt. Erst zog sie am Strand von Dubai vor der Kulisse des Luxushotels              „ Burj-al-Arab“ einen Landrover hinter sich her, der wog 2,5 Tonnen und sie    49 Kilogramm,  dann verließ sie am 17. April die „Borneo-Ice-Station“  und erreichte am 23. April (des gleichen Jahres!) den Nordpol  und leerte dort einen Beutel Wüstensand aus, den sie mit sich geführt hatte. Ihre Vorfahren hatten sich nämlich in der Wüsten einfach ernährt, aßen am Morgen vor der Arbeit, was da auch immer zu tun war, ein paar Datteln und  Brot, mussten aber geistig wendig  sein, um in ihrer Umwelt zu leben. Das war Elham sicher auch!  Persönliche Anmerkung des Plagiators: Ich selbst wollte als Kind Nordpolforscher werden, weil man dann immer Ölsardinen essen dürfe und nie dies schreckliche frische Gemüse und Salat!

 

 

Mehr isst ja Corinna B.  Sie hat dem Feierabendgrillen bei Christian S. (Er heißt wirklich „Senff“!) beigewohnt und mit gegessen: Schafskäse mit Chili, Tomate und Kräutern, Tiefseegarnelen mit Ananas und Mango-Koriander-Marinade (wie schmecken wohl die Garnelen pur?)  Jacobsmuscheln mit Ingwer und Senf (mit einem“F“), Lammkotelett mit Zitrone, Filet vom Hereford-Rind mit Pacetta und Kräutern, auf Zedernholz gegarte Rochenflügel( (es handelte sich tatsächlich um Thunfisch), geschmorte Zwiebeln, gegrillte Zuccini, Süßkartoffel, sommerliches Gemüse aus dem Tontöpfchen, Brot, Joghurtdips und Kräuterquark und zuletzt Dattel-Ananas-Spieß mit griechischem Honig. Danach war an Arbeit nicht mehr zu denken.

 

Während dessen hat Volker K.    Technikvorstand der Bahn    Bauaufträge für € 700 Millionen  vergeben um zu verdeutlichen, wie ernst es ihnen ist. Aber sagt Winfried K. „—und das Volk hat das letzte Wort!“  Aber sagt Heiner G. nochmals, dass es „billiger und zweimal besser“ auch geht, aber Peter R. hingegen unterstützt die Linie der  Bahn (die ja auch rechtskräftige Verträge hat), obwohl  . . . liest man im Anschluss zur Wetterlage: „Im Osten regnet und gewittert es immer mal wieder. Sonst setzt sich die Sonne allmählich durch. Bis 21 Grad „      schon wieder „21“     wie verhext.       

 

Von dem Blatt komme ich gar nicht los: Erwin T. vertraut einer ganzen Reihe der jetzt handelnden Politiker. Doch grundsätzlich gelte: „Ich würde keinem trauen, der sich nicht an Recht und Gesetz, nicht an die Verfassung hält!“ und erinnert daran,  dass das „C“ in „-DU“ nicht für „C-onservativ“ und nicht für     C-omputer steht sondern für . . . usw. Und fehle es der U. auch an einem wirtschaftspolitischen Gesicht  (nicht „Gewicht“)  und das sei eine Überlebensfrage (nicht „Überlegensfrage“) wenn sie Volkspartei bleiben will!    .  .  . ist sie das denn?

 

Dafür wird der Wagen, den Bernhard C. vom 13. August an über die Salzseen prügeln wird  (bei Utah, USA)   um, hinter sich den vom Reglement vorgeschriebenen Bremsfallschirm, mit weit über 7000 Touren 250, vielleicht 289 K/h zu erreichen    mit dem „Saline4Fin“ , einem ausgerüsteten R4!      Auch innen ist nichts mehr, wie es einmal war:  keine Verkleidung, armdicke Überrollbügel . . . eine aus Blech geschweißte Sitzschale mit dem Kuschelfaktor eines Schraubstocks . . . und unter der Haube steckt  ein 1,5Liter Vierzylinder aus dem R5 – Turbo.                                                                                                        Dann schieben die Franzosen  ihren R4 ganz sachte in den Überseecontainer.

    

Aber auch Michael H. will künftig nicht ausschließlich privatisieren! 1997 habe es ernsthaft städtische Überlegungen gegeben, daraus ein Musicaltheater zu machen. So habe er damals  überhaupt erst mal eine Struktur in das Programm bringen müssen, erinnert er sich. Jeweils ein Komponisten-  und ein Interpretenporträt bildeten . . . das künstlerische Rückgrat    und ist doch heute dabei, ein ganz anderes Haus einzurichten: sein neues Heim im Rheingau. Vielleicht finden wir ihn eines Tages  als Leiter eines (von den unendlich vielen) kleinen feinen Festivals im Süden, wo sich die Arbeit mit einer noch angenehmeren Lebensart verbindet:  Spoleto, Cortona, Panicale?

 

Anders lebte Wolfram H., der anfangs kaum beachtet wurde als er „in Schulterhöhe, so breit wie ein Farbroller“ einen Strich um (West-)Berlin gezogen hat, genauer: ziehen wollte, bis ihn zwei (DDR-)Grenzer durch eine der unauffälligen kleinen Türen in der Mauer (für die die wohl einen Schlüssel hatten?!)  zogen. Nach dem (DDR-)Urteil kam er nach Bautzen (wo Walter U. wohl nie eingesessen hat?) für neun Monate bis Wolfgang V.    der dafür bekannte Anwalt    den „Austausch“ abwickelte, für 500 000 Mark, glaubt W. Da war sein Sohn schon drei  Monate alt. Er hatte zwar die Geburt verpasst aber nun war er nicht länger nur auf dem Papier Vater (vielleicht auch noch weiterer Kinder?)         

 

Um Malerei ging es auch Ileana S.    aber nicht nur! So „baute“ für sie ja auch ein Bildschnitzer aus Südtirol (seltsamerweise nicht aus Oberammergau) und, genau genommen, für Jeff K. ein hölzernes Abbild von Buster K. zu Pferde, lebensgroß!  Viele solche Sachen kann man jetzt im Palazzo der Peggy G. – Collection in V. sehen    wenn man schon wegen der Biennale sowieso hinfährt und noch so viel Energie über hat nach den 86 (?) Länderpavillons am Arsenal. Ileana wurde als I.Sch. in Bukarest geboren, heiratete später Leo K. den wir als Leo C. kennen und der ihr anstatt eines Ringes ein Bild von M. schenkte! Noch später heiratete sie S. und wurde unter dessen Namen als Ileana S. sehr bekannt in kunst (handels-)interessierten Kreisen, zumal sie auch Sol L.W. bat, einen Kreis auf ihre Wohnung zu machen, den es noch geben soll. Ileana ist aber leider schon gestorben.

 

Die Kümmerleins lagen voll im Trend als sie Axel K. ihr Traumhaus präsentierten als Modell aus weißen Legosteinen. Wo die früheren Bewohner einst Kartoffeln, Möhren (=“Karotten“) und Stangenbohnen zogen, gedeihen heute Rosen, Rasen und Buchsbaumhecken. Die Stadt schrieb dem heimbauwilligen           IT – Serviceunternehmer  ein Baufenster vor, und, vielleicht darum, baute der Architekt ihm    nun nicht mehr aus Legosteinen    ein Heim aus  mehreren Häusern    mindesten zwei und noch etwas    mit sehr vielen verschiedenen Fenstern: mindestens, nach dem Foto in der FAZ, mindestens 12    zwölf verschiedene. Und darin, in den Häusern als Heim, ist es fast wie im Urlaub, auch, weil sich immer ein anderer Blick ergibt (durch die unterschiedlichen Fenster?) ein anderes Raumerlebnis    auch in dem Betonbügel in dem die Kinderzimmer und das Bad der Töchter liegt.  

 

Joseph G. nennt sich jetzt „Graben-Gritsch“  und hat den Joseph auch vom Weingutnamen gestrichen. In der anderen Wachau hinter dem Tausendeimerberg herrscht Ruhe; die Weine sind hier straffer, schlanker, kühler, dem Klima entsprechend. Macht man sich auf den Weg, steht man nach zwanzig Minuten mitten in den Weinhügeln    mitten im Veltliner, den Rebstöcken. Aber: „ . . . ohne Trockensteinmauern wären unsere Weine nicht das, was sie sind!“  Nachdem die EU den Zuschuss gestrichen hat (z.B. € 60/qm) hat mehr als ein Winzer kapituliert und seine Terrassen aufgelassen.              Und:  In einem Blumentopf am Zornberg sitzt eine Marienstatuette, dahinter ist ein Christusfresko auf Trockenstein gemalt.

 

 

Z. gibt auf! Am 20. November, dem Todestag des Diktators F. wird gewählt. Es sei „ bloß ein Datum    habe nichts zu bedeuten!“ sagt Z. nachdem er sich zu Neuwahlen entschloss. Nach dem Sozialisten S. ist das das zweite Eingeständnis des politischen Scheiterns auf der iberischen Halbinsel. Dass er, Z. , die neue Regierung nicht mehr führen werde, war ihm klar. So verhalf er auch R. zur Spitzenkandidatur der Sozialisten. Oppositionsführer R. ist nun programmatisch im Zugzwang!  -steht in unserer Zeitung?!  – Er müsse ein kohärentes (?) Wirtschaftsprogramm vorlegen. Der listenreiche und redegewandte (wie weiland O.)   R. hat nicht nur höhere Sympathiewerte  – auch das wie weiland O.!    er hat auch einen Linksruck vorbereitet. Seine Wahlversprechen . . .    anders als O.    aber der wollte sich ja auch nicht wählen lassen, in Spanien.

 

Philipp L. hat ein mehr geschäftsmäßiges Verhältnis zu van B. aber er hat kein Problem damit, dass Bastian Sch. von H.  als „Chef im Mittelfeld“ bezeichnet wird    ihm sei am Wichtigsten, dass der Kapitän vorbildliche Leistung abliefert    auch auf der linken Seite –  und so will ihn Joachim L. nun auch wieder einsetzen! Vielleicht prallt der Ball dann nochmal vom Pfosten und in´s Tor    denn dann    nein, auch schon vorher darf Philipp sich als mächtigster Fußballspieler Deutschlands fühlen.

 

Egon K. wäre noch immer das, was Erich H.s Name so akustisch reizvoll geziert hatte („Staatsratsvorsitzender Erich Honecker“) als Walter U. abgetreten und Margot H. aktiv war. Nachdem aber G. ein Weltreich aufgelöst hatte wie andere einen z.B. Suppendosenkonzern,  beeindruckte dieser Suppendosenkapitalismus mit seiner Beinfreiheit in der 450 PS Limousine die Ostdeutschen, und mit besserem Parfüm!  Immer noch besser als der penetrante Geruch nach Frittenbude, wenn alle Autos mit Rapsöl fahren. So wäre das, meint der Autor, der Egon K. usw. usw. wenn Gregor G., Otto Sch. und ein gewisser D.  (Dath?) einen Staat bildeten, wann und wo auch immer; war das nun ein Buch oder ein Film?

 

 

Frank M. weiß um das richtige Einlenken in weiten und engen Kurven    dem Spagat zwischen den Extremen: „ Drift Experience“!  Klaus D.  und seine Ingenieure  begeistern sich aber mehr für „kohlefaserverstärkten Kunststoff“    sagt Ulrich K. und glaubt wie R. immer noch, dass ein Auto aussehen muss, wie ein Auto ( was Wunder, wenn man sein ganzes Berufsleben bei einer Firma verbracht hat, die u.a. Autos baut ). Am Festhalten an dieser Firma (u.a.)  ist ja auch Herbert Q relativ reich geworden von dem man früher erzählte,  er habe in den Hügeln bei  F.a. M. das Haus eines Nachbarn, das ihm den Blick auf F. verstellte, mit dessen Einverständnis auf Rollen setzen lassen (auch schon ein „Fahrzeug“?) und zur Seite schieben lassen. „Was vorher geschah“ in diesen Hügeln, liest sich da doch wesentlich harmloser.

 

Und nochmal Fußball:  Adriano G.    Mailand    sieht sich „niedergegangen von einem Luxusrestaurant zu einer Pizzeria“ und muss damit zugeben, dass  der heimliche Glaube an die Manipulierbarkeit der Ergebnisse durch Bestechung ein Irrtum war (hat doch schon Sepp H. gesagt:     . und der Ball ist rund!“) und obwohl man es in Griechenland und der Türkei immer noch glaubt!  Da scheint doch Bruno L.´s  System für Stuttgart überzeugender, wo Mann neuerdings im Stehen bei jeder (!) Gelegenheit auf´s Spielfeld sehen kann (Frauen nicht, im Stehen!)   „Der Stadionumbau gibt“ sagt Bruno, „ seinen Profis 20 bis 30%   mehr Energie!“ . . . und dem Gegner nicht?          

 

2 0 2 9      von da ab, sagt Ray K. in New York, ist die Trennung von Mensch und Maschine überwunden! Wenn auch wir erst eingesehen haben, dass wir auch der unbelebten Natur (welch überholter Begriff ab 2029!) geistige Wesenheit zugestehen müssen      und dazu haben wir ja noch 18 Jahre Zeit! .  .  .          nein, so wird kein Schuh daraus: Es gibt schon seit 30 000 Jahren und länger den Menschen als das Tier mit dem Hammer    und nichts anderes ist das Tier mit dem Computer: man muss es nur geschwollen genug ausdrücken wie Deepark Ch. (Chopra), Michio K. (Kaku) und eben Ray K. in NewYork.

 

 

 

Er ist ein Flüchtlingskind aus dem Egerland, weder Missionar noch Journalist! Aber Josef W. hat die robuste Natur, die gewisse Stabilität. Und er hat oft genug gesehen, was Geld anrichten kann, wenn zum Beispiel das Mordopfer  in Moskau eingeäschert wird    ein ungeklärter Fall. Josef W. hat schlagzeilenkräftige Fälle geklärt, Mörder Prominenter wie Walter S. und Rudolf M. hinter Gitter gebracht! Es bleibt offen, welche Prominenten die ermordet hatten.                                                                                                                       Auf jeden Fall hat er immer ein Frühstück gehabt und ein sauberes Hemd an, wenn er aus dem Haus ging als Kind, um, heute, als Sachbuchauto, trotz über 80 000 verkaufter Exemplare nicht reich, aber bekannt zu werden    was er allerdings schon war, als er zwischendurch bei der Polizei war (Kriminalpolizei)

 

Endlich einmal Delmenhorst (das kommt doch viel zu selten vor in der überregionalen Presse!). Werner R. hat dort „Dickie Dick Dickens“ gehört und als (junger) DJ gearbeitet; später begrüßt er seine Hörer mit „Heeelllllooooo!° aber keiner kann sehen, das er mit Karohemd, Jeans und Turnschuhen dasitzt (Hat er die wohl auch für den Weg zum Funkhaus an: Turnschuhe?) Jedenfalls ist er damit nie „zur Arbeit“ gegangen, denn es macht ihm „unheimlich viel Spaß!°“ –  ist also keine „Arbeit“    und geht ja auch nicht in´s Auge (wie das Fernsehen) Jedenfalls ist Werner´s Karriere der Erfolg einer Erziehung, die ihm als Kind das  Radio vorenthalten hat bis er 14 war    in Delmenhorst.   

 

Issam hat keine Arbeit gefunden und das ist schlimm! Die Polizei schlug mit den Knüppeln auf die Zelte und riss die Plastikplanen von den Bäumen; mehrere Nächte nacheinander, bis Issam und die anderen weggingen    es gab wohl auch Prügeleien: „Aufruhr“. Besser man geht unter die Brücken für die Nächte, wenn man dort noch ein unbesetztes Versteck findet. Tagsüber stehen ihre Matratzen am Straßenrand wie Sperrmüll, sie klopfen sich gegenseitig den Staub vom Sacko, rasieren sich am Kanal    das Frankreich aus der Werbung: proppere Babies, schnelle Autos, schöne Frauen,    nur wer so aussieht, als brauche er nichts, hat, allenfalls, eine Chance, eine Chance, die Asiz, sein Freund, nicht mehr hat. Der konnte, der wollte in der dritten Nacht auf dem alten Kahn nicht mehr, ließ sich fallen und ertrank.

 

Ein  langes Leben lag zwischen den bizarren Wutanfällen mit, denen er auf seinen „Rauswurf“    den das war es tatsächlich    reagierte, und der Leipziger Mansarde in der Walter U. Kind war in Sachsen; die Sprache hat er sich erhalten. Mit Nikita C. verband ihn eine Männerfreundschaft (?) seitdem sie gemeinsam vor Stalingrad Weihnachten gefeiert hatte, die beiden künftigen Staatenlenker.  Eine grandiose Aufgabe hatte auf ihn gewartet: er war der Einzige, der jemals einen deutschen Staat gegründet hat. Wilhelm P. hielt ihm die Steigbügel, Erich H. nahm ihm später die Zügel aus der Hand    dazwischen lag sein Parforceritt, sein Leben, seine Mauer entstand und sein Todeszaun    26 Jahre DDR, doppelt so lange als Adolfs Reich!  

 

Und aus ähnlichen Welten:  „Menschlichkeit hat in der Erwartung der Hinrichtung alle Unterwürfigkeit abgelöst!“ Liao Yiwus Zeugnis aus den Todeszellen Chinas    der freiwillige Feuertod für die Freiheit auf dem Wenzelsplatz in Prag    die wenigen Schritte mit der Aktentasche unter dem Arm  an den „Lagetisch“ in der Wolfsschanze        ich wollte fortfahren, aber es erweist sich diese Methode, Pathos lächerlich zu machen, als völlig unangemessen, wo sich die Würde des Menschen als unantastbar zeigt    Schweige!

 

 

 

 

 

Zeitungsmeldungen verarbeitet zu  „Plagiatagen“      anstatt „Reportagen“ –  nach Passagen aus der FAZ und der ZEIT  im Sommer 2011                                 von  Eberhard Kulenkampff       Montecastello di Vibio       Poggio Altrena 5

Palmensymphonie

                        Palmensinfonie

          

           Am Riff weit draußen die anrollenden Wellen

           tragen den Baß : das Continuum.

           Der Wind streicht die Palmwedel hier im weißen

           Sand zu einem breiten Fluß vielfältig ver-

           schränkter Melodien.

           Gleich über Tag und Nacht bleibt der eine

           Baßgesang der Wogen –

           auf und abschwellend wie der Atem streicht

           der Wind die Melodien .

           Psalmensinfonie

Sansibar

                    S  A  N  S  I  B  A  R

Die Wahrheit ist ,der erste Schöpfungstag liegt noch im Schein der lichtscheuen Sterne und der zweite Schöpfungstag ist noch nicht im blassen Abendgelb vergangen, denn das Wasser und das Feste , das Meer und das Landsind noch nicht geteilt und voneinander getrennt – jede Flut und jede Ebbe lehren uns das ebenso wie das stetige wachsen der Korallen , – riffe , -inseln , -länder aus dem Meer. Unter uns schieben sich gebirgige Massen aus Lava und Stein wie sie eben noch bei solchen Bewegungen den „ostafrikanischen Grabenbruch „  von der Jordanquelle bis tief hinunter in das heutige Mozambique aufplatzen ließen , schieben hoch , was im Meer lag und lassen anderes versinken. Und auf dem Versunkenen wachsen mit galvanischer Kraft Korallen , bilden Riffe und schützen Lagunen bis die sanften Ausläufer der heftigen Erschütterungen , die dem Ausbruch des Ngorongokraters folgte, auch diese langsam im Meer wachsenden Hügel wieder sanft angehoben hat zu dem Höhenzug der heute – schroff , die alte Abbruchkante erinnernd, nach Osten abfallend Sansibar vom Süden bis hinauf nach Nungwi durchzieht. Fruchtbaren Boden aus dem Inneren des heutigen Tansania hat der Fluss zum Meer und das Meer zur Insel getragen . Dieser Boden hat der Insel die Fruchtbarkeit beschert , die den Westen der Insel so reich gemacht hat. Ganz anders die nördliche Nachbarinsel Pemba : ein vulkanischer Prozess hat sie aufgetürmt jenseits des tiefen Grabens im Meer ,der sie von Sansibar trennt.

Es dauert nicht länger, als diese Zeilen zu schreibenund schon ist das Land der Lagune mit seinen Algengärtenund den fischreichen Prilen wieder vom Meere in seinem nächsten Einatmen und Anschwellen bedeckt. Der zweite Schöpfungstag ist noch nicht vorbei und hat kein Ende.

Nicht von dem „seeschifftiefen Wasser “ im Westen, daß zu ägyptischen ,biblischen , islamischen und später auch zu christlichen Zeiten Gelegenheit zum Anlegen bot und zu einem Hafen , einer Stadt , nicht von den Reisenden haben hier vor Zeiten Menschen gelebt sondern von den flachen Lagunen hinter den Riffen . Jeden Morgen – und hätte Muhammed nicht gesagt , Allah wolle den Freitag geheiligt , so würde er  das auch am Freitag tun , geht der ältere Fischer mit dem wadenlangenverwaschenen Rock, dem ausgebleichten Hemd und großen Strohhut watend zu seinem Boot,  , oft ist es im Seegang der nächtlichen Flut vollgelaufen ,  schaukelt mit ein paar geschickten Bewegungen das Wasser heraus , richtet den dünnen zähen Stab des Mastes auf , wirft das Segel aus alten Zuckersäcken  , in denen auch die Frauen auf ihren Köpfen weit draußen aus der Lagune die Algen, die sie aus ihren Gärten unter Wasser gezupft haben ins Dorf tragen  – das Segel  , kaum vier Meter hoch und am Unterliek keine zwei Meter messend wirft er an seiner schlanken Rah hoch , der Wind fängt es ihm auf. Er setzt die vorher schon aufs rechte Maß gebrachten Leinen steif –  dreht das Boot in die Richtung zum Riff vor Jambiani,  wo mehr Fisch steht und gleitet schnell davon. Vor ihm , mit ihm , nach ihm brechen die meisten der etwa zwanzig Boote auf , allein gesteuert oder mit drei , vier ,fünf Fischern besetzt  und kehren mit der nächsten Flut zurück. Dann strömen viele zum Strand , begutachten , beratschlagen,  die kleinen  Bunde auf Palmblatt“sehnen“ aufgefädelten  Fische , die Kalamari, die selteneren Aaale. Einiges wird gleich am Strand verkauft  – seit es erst das Geld ,die abgewetzten 200, 500 oder gar 1000 Schillingnoten gibt. An den Lagunenwaren vor wohl mehr als tausend Jahren die Menschenaus  Schiras im fernen Persien seßhaft geworden und lebten vom Meer und den Palmen am sandigen , brackigenUfer als“schirasi“ schon lange ,bevor eine häufigere Seefahrt begann , bevor weitere Schiffe von Norden – daher bläst der Wind das halbe Jahr – kamen und weiter nach Süden fuhren für das Gold aus Simbabwe oder waren sie vorher schon unterwegs und ließen ihre Schiffe in dem anderen halben Jahr wider nach Norden treiben wennder Wind stetig von Süden weht. Sie brachten von Norden- und dann von Süden und viel später noch als das Netz der Handelswege über die sieben Weltmeere immer dichter geworden war, Samen vielerlei Art und machten auf Sansibar und den beiden Nachbarinseln Mafia und Pemba  heimisch,was hier gut gedeihen konnte : nicht nur Ananas und Mango und Bananen , nein, auch Nelken und Zimt , Vanille und all die anderen Gewürze und  auch  Ideen , Religionen, Sprachen – Gewebe ,Techniken , Verfremdung und  immer wieder andere Menschen aus vielen Teilen der Welt. Pflanzen , Menschen , Segelboote und Algengärten , letztere für den japanischen Markt , die sie als Leckerbissen schätzen – bilden heute ein Amalgan bei dem Licht und Dunkel der Hautfarben ebensowenig  teilbar ist wie alle anderen Eigenschaften dieses Gemenges ,wie auch der Sprache der Insel  und weiterer fünfzig MillionenOstafrikaner : das Kisuaheli , Teil der Bantu Sprachenfamilieverwoben , bereichert  entwickelt mit arabischen ,asiatischen , europoäischen Wortschätzen zu einer wohlklingenden  vokalreich en Sprache , die gut über das Wasser der Lagune klingt , wenn sie  sich von Boot zu Boot oder zu den am Strand stehenden lebhaft unterhalten in kurzen  beinahe gesungenen Sätzen. Man lernt schnell die ständigen Begrüßungsformeln – langsam mehr.

Mitten in „stone town “ ein helles Haus , hohe Treppen zu hellen Laubengängen , luftig , freundlich – darunter die Keller  die vorher schon waren : kaum ein Meter dreißig Luft über gemauertem glatt geputzten Boden, keine zwei Meter breit rechts und links neben der Rinne – Meerwasser habe die Fäkalien weggespült , auch das sickernde Blut – keine 25 cm  sah die Halskette für jeden der damit aneinandergeketteten Sklaven vor , die hier für den Markt oben auf dem Platz an dem  seit den späten siebziger Jahren  – mein Vater ist 1884 geboren – seit die Engländer die Sklaverei hier 1874 verboten haben , die anglikanische Kirche steht ,aufbewahrt wurden. Es war der Vorratskeller für den zeitweise größten Sklavenmarkt der Welt mit seiner Geißelsäule.Die höchsten Preise wurden für die Menschen erzielt , die der Geißelung am längsten klaglos standhielten – wenn sie das überlebten.                                          1873/74   Verbot des Sklavenhandels durch England                         1897      Gesetzliche Freilassung aller Sklaven, die dies wünschten durch England                                                                                          1901      Verbot der Sklaverei in „Deutsch Ostafrika“ durch Deutschland                                                                                                 1909      Offizielles Ende der Sklaverei in Ostafrika                               Die förmliche Sklaverei ging übergangslos in die „zwangsrekrutierung “ durch deutsche und englische Kolonisatoren über , private und staatliche.                                                                      Die zu Tode geschundenen , die in den  niedergebrannten Dörfern erschlagenen Alten und Kinder erinnern , was Menschen ihnen angetan haben , nicht mehr. Die, die es überlebt haben , erinnern vor allem ihr eigenes Überleben, schöpfen daraus Hoffnung.          Die Toten haben keine Hoffnung mehr und alle Religion wird an  ihnenzum Spott.                                                                                  Heute , hundert Jahre und drei , vier Generationen später leben die Nachkommen derer , die die Sklavenmassaker als Sklaven überlebt haben als Sansibari auf dieser Insel . Und sie sind die liebenswürdigsten , hilfsbereiten, Freudlichkeit und Gelassenheit ausstrahlenden Menschenkinder. Schlicht die Männer , farbenfroh in ihre Kangas gehüllt, als Blumen Sansibars die Frauen , kritisch interessiert die Kinder. Als Mädchen schon früh mit dem Wassereimer oder sonst beschäftigt – als Jungen am Strand tobend ,aber auch schon tüchtige Angler, die mit langen Ketten auf Palmblätter aufgezogener weißsilberner Fischlein zum Familienessen beitragen.                                                                       Zwar haben sie 1964 die politische Unabhängigkeit erreicht und sie in freier Vereinbarung in den Staatenbund Tansania eingebracht  , aber wirtschaftlich ist ihnen  nur ein karges Bett aus Palmstroh bereitet, in dem sie ebenso fleißig wie genügsam leben.                 Den , der sich in dies ruhige Leben einfügt , grüßen sie  freundlich , helfen gutmütig bei den langen , singenden Begrüßungsformeln nach  – und bescherten uns eine glückliche Zeit zwischen Wasser und Land , Licht und Dunkel – Stunden des zweiten Schöpfungstages.

Eberhard Kulenkampff

Paje imFrühjahr 1997

Der Mann der später Charly hieß

Repro2006 006

Der Mann, der später Charly hieß ging um den kalten Ofen zur Tür. Die Kälte hat ihn getrieben – bis zur Grenze, zum Hafen nach Amerika. Er ging allein – ohne die Frau zu wecken. Kein Kummer darum! Sie war schon lange weg, mit dem älteren Sohn des Kaufmanns, der sie schon liebte, als der Mann noch Arbeit hatte in der Stadt. In der Woche schlief er dort; er schlief selten allein. Seine Wirtin, jünger als er selbst, war schon in der zweiten Nacht zu ihm in´s Bett gekrochen. Sie hatte Angst, allein, nachdem man den Wirt geholt hatte mitten in der Nacht. Er wurde gesucht wegen des Einbruchs in der benachbarten Bank. Der Gang zum Safe war von seinem Keller aus gegraben worden. Er hatte es nicht gewusst. Das blieb ein Rätsel. Es wurde nie gelöst und der Wirt blieb in Haft. Von den Tätern und dem Geld fand man nie eine Spur. Die Wirtin schlief immer nur bei einem der Gäste, der lange bei ihr zu wohnen versprochen hatte. Denn sie wartete auf den Wirt – bis man ihn doch noch entlassen hat. Seine Fingerabdrücke waren nicht unter denen der drei Menschen, die man am Tresor gefunden hatte; die der Frau hat man nicht untersucht. Es ging wirtschaftlich schnell aufwärts mit dem kleinen Hotel – seitdem. Als der Mann, der später Charly hieß, vor der Kälte das Land verließ, schlief sie bei einem anderen der nur selten heim fuhr zu Frau und Kind.

Im Hafen war kein Schiff. Nach vielen Wochen in denen er einer Bäckersfrau geholfen hatte und ihr auch morgens früh die Brötchen ausfuhr legte aber doch ein Frachter an, löschte Stückgut und nahm neue Fracht an Bord. Man nahm ihn gern als Ladearbeiter an – als das Schiff ablegte, war er angeheuert. Er löste die letzten Leinen, er klarte das Deck auf, er putzte die Messe und die Kojen, er fuhr nach Baltimore. Man hatte dort nicht auf ihn gewartet; viele

Arbeitslose lungerten am Hafen herum. So half er entladen und half neue Fracht zu verstauen und fuhr mit als das Schiff seine Fahrt fortsetzte.

An den langen eintönigen Tagen auf See wuchs in ihm der Traum vom Land auf dem er arbei-tet, den Boden umgräbt, Gemüse pflanzt und Kartoffeln, Obstbäume setzt, Korn sät und Maria liebt; er kennt sie noch nicht aber er sehnt sich schon nach ihr.

So ließ er die Heuer stehen für ein weiteres Jahr zwischen ausladen und einladen, zwischen vielen Häfen der beiden Amerika. Nach Europa kehrte das Schiff nicht zurück. In Equador ging er schließlich von Bord.

Im Inneren, hoch über der fieberheißen Küstenregion fand er sein Land, kaufte es von dem alten Indio, der bei ihm wohnen blieb und sie lebten zu zweit in der kleinen Hütte und schafften von früh bis spät. Als eines Tages die Tochter von Pedros Tochter kam um nach dem alten Großvater zu sehen blieb auch sie bei ihnen. Er baute für sie beide ein Hüttchen an.

Und Miriam war es, die ihn Charly nannte weil er nicht von hier war – und alle, die nicht von hier waren, waren für sie „Amerikaner“ und Amerikaner heißen Charly.

Ihm war es recht, denn sein alter Name lag so weit zurück hinter den vielen Meilen See –

niemand hatte ihn je danach gefragt statt „Hey“ und „Boy“ und „Gringo“ zu rufen, wenn man ihn brauchte – und nichts, wenn nicht. Mit seinem neuen Namen war er endgültig ein anderer geworden.

Hatte es ihn bis dahin voll Unruhe um getrieben so wurde es jetzt still in ihm. Hatte es ihn immer weiter zu ziehen gedrängt so freute er sich jetzt seiner Sesshaftigkeit, hatte er vorher in

stillen Nächten an früher gedacht, an die Bäckerin, an die Wirtin, an Frau und Kind, so kamen ihm jetzt diese Träume nicht mehr – und von Maria träumte er auch nicht, – die war ja da!

Nur einmal noch musste er alles Vergangene wieder aufrühren. Als ihr Kind kommen sollte wollte sie ihn zum Mann und er musste die Papiere beschaffen, die man auf dem Amte sehen wollte.

Er baute nach einem Jahr auch ein Hüttchen an für das Kind und weitere, wenn immer es nötig war. Nach dem Tod des Alten wohnte er mit Miriam in dessen Hütte bis man ihn unter dem alten Mangobaum begraben hat. Auf dem Stein stand: „Hier ruht der, den wir Charly genannt haben.