Schärenglück

S C H Ä R E N G L Ü C K

 Wenn Natalie schwedischen Granit am Originalschauplatz   am Skagerak   malt und das Meer im Hintergrund   voller Segel . . .

dann sitze ich dabei und sehne mich nach einer Bootsfahrt, sehne mich nach den Segelturns mit „BIP“   unserem Segelboot während meiner Kieler Zeit.

Natalie: “. . .  und eine Nacht auf den Schären, allein zu zweit. . .“

Die Kunststoffnussschale mit Außenbordmotor war zwar hellblau,konnte sich aber, zumal sie kein Segel hatte, mit der 12m-Hochseeyacht BIP nicht messen – aber wir fuhren mit einigen Proviantresten aus dem VW-Bus  los: . . .weiter hinaus auf´s Meer, tuckernd der Motor, schwankend im Schwall größerer Boote – glücklich!

Passierten mehrere Klippen die aus den sanft wogenden  ( „Meeresstille, glückliche Fahrt“) Wellen ragten, sonnten uns und küssten uns –  bis es nicht mehr weiter ging! Im flachen Wasser zwischen zwei Inselchen hatte die Schraube Algen zu fassen gekriegt, mit der ganzen Energie des 18 PS Motors fest um die Achse gewickelt und wollte nicht mehr vor und nicht zurück, ließ sich nicht mehr hoch kippen, alles blockiert. Im kühlen Skagerakwasser strampelnd bekamen wir schließlich unsere Schraube wieder frei   die Fahrt konnte weiter gehen.

Die sinkende Sonne verabschiedete sich im Dunst als wir schon an einem Eiland festgemacht hatten, das leichte Boot hochgezogen und  festgebunden.  Ein Wind kam auf,  „ablandig“,  „auffrischend!“

 Zwei Murmeltiere  ( die gehören doch eigentlich nach Norwegen?  )hatten „unsere“ Schäre fluchtartig verlassen, schwimmend!

Wir waren nun allein auf der flachen Granitbank    unser ersehntes Glück    tief geatmet, voll genossen;  bis auf den Wind vor dem uns  nichts schützte.So kuschelten wir uns als es kalt wurde eng zusammen, rollten ein wenig hin und her bis wir die glatteste Mulde gefunden hatten und . . . keine Sterne, kein Mond, schnell ziehende Wolken, immer niedriger, drohender   keine Lichter mehr vom (nahen?) Küstenstreifen, keine Boote unterwegs. Aber der   ablandige   Wind frischte weiter auf, immer höhere (kleine) Wellen brachen sich gischtend am Stein,leckten höher. Unsere Wärme nahm ab! –  Der Proviant war längst verzehrt    und die Sorgen nahmen zu.

 Mit der leichten Nussschale gegen den Wind bei stärkerem Seegang?

Warum hatten wir auch keine Uhr dabei?  Wurde die nordisch helle Nacht nicht schon  heller? An Schlaf war nicht zu denken. Stunde um Stunde . . . oder doch nur Minuten?  Sollten wir uns nicht besser retten ehe es zu spät war?  Nein –  erst wenn´s ganz hell ist!  Doch   bevor die Wellen zu hoch, der Wind zu stark!  Nein   doch?

Schließlich:  Was Besseres als diese feuchte Granitbank findet man überall – – –

Der Wind trieb uns schnell ab nachdem wir uns von der Insel los gemacht hatten bevor der Motor sich zünden ließ   bis im Wind-schatten einer etwas höheren Nachbarschäre das Boot in Fahrt kam, lenkbar wurde und mit Spritzern von vorn bei jeder Welle Kurs auf Land nahm   so gut wir den richtigen Kurs zum Land vermuten konnten. So änderte sich auch das Ziel unserer Sehnsucht: Wärme plus Kaffee    das wär´s jetzt!

Als wir schließlich einzelne Kailampen blinzeln sahen, darauf zu hielten, erste Häuser als dunkle Schemen auftauchten   war alles finster, kein helles Fenster, kein Auto an Land, keine Boote unterwegs im Wasser: kein Mensch. Nächtliche Ruhe lag über der Küste.

Ich will es kurz machen: Es war  drei Uhr nachts als wir das Bötchen an einer kurzen Kaimauer  im Windschatten eines Hauses mit Restaurant neben der Dorfkirche mit der Turmuhr festmachten.

Kaffee, Wärme , – sicher nicht vor acht!  Das Auto mit Decken, Pullovern, Essen und Trinken und allem Kram? Jedenfalls nicht hier an der kurzen Kaimauer, fort, meilenweit nördlich? Oder südlich? Oder östlich ?  Schärenglück.