Your de Bagneux

Sonnenblumen 012

Y o u r   d e s   B a g n e u x

Am 8.8.1994

 

An der Biegung des grasüberwachsenen Feldweges sind die Blumen und Nesseln geknickt. Stroh bedeckt den Boden, seidenweiches Polster aus den harten Halmen des Weizens, seine Fruchthülsen liegen zwischen den schütteren Stoppeln.

Die Körner wurden vom Mähdrescher in Lastwagen gepumpt. Aber beim Wechsel pulsten gut  zehn Liter zurück an den Feldrand. Wir nahmen sie mit dem Porzellankump auf, sammelten sie in dem alten Leinenbeutel – Vorrat! Er lag noch jahrelang unbeachtet in der Garage in Luzern. Wurde dann als Vogelfutter verstreut.

Was wir nicht bergen konnten wurde vom Gewittersturm ins Feld gespült: Saat für eine ungewollte Ernte.

Das Licht der untergehenden Sonne versilbert Stroh und Stoppeln. Goldglanz schimmert auf den verlorenen Halmen. Die Bewirtschafter malen täglich neue Farben in das Bild: dem Grau des trockenen Getreides, der Ähren, die die Körner in vergrauten verwitterten Häutchen halten folgt der Ackergrund, darauf die schweren Rollen des ausgedroschenen Strohes, daneben ein anderes Feld übersäht mit den rötlich und gelblich flackernden Feuerchen des Abflämmens, hinterlässt anthrazitene Spuren bis der Flug die steindurchwirkte rote Erde aufwirft, Bahn  neben Bahn und die Egge den Acker wieder zurück nimmt in´s Graue.

Darüber Sonne, Dunst, der helle Rauch der Brandäcker, dunstig auch der Himmel über dem Horizont, über den unzähligen spitzen Kirchtürmen die inmitten der in die Täler geschmiegten Dörfer Burgunds stehen. Dörfer aus den graugelben Mauern, vor Jahrhunderten wohl schon von den Äckern gesammelter Kalkstein, vor Jahrhunderten schon der Kalk für den Mörtel gebrannt mit dem Holz der weiten Wälder, gelöscht mit dem frischen Wasser der Bäche. Mörtel und Mauerstein sind aus einem Material, dem Kalksteinen, vorher und nachher.      

Scheune und Schloss, alles aus dem Material dieser Hügel gebrochen. Nur die Steine für die feinen Gewände, für die Gewölberippen der Kirchen, für die Kreuzgänge und den Kapitelsaal in Fontenay, der schmucklosen Zisterzienser Abtei mit – doch nicht ganz schmucklos –

 den ägyptisch orientierten Kapitellen, den keltisch überlieferten Kreisbögen die sich zum Ornament überschneiden. Diese Steine sind von weit her geholt: alpiner Granit?

Leidenschaften scheinen dieser Landschaft fremd wie diesem Kloster  mit seinen asketischen Regeln. Und gingen doch von Burgund nicht viele Kämpfe um die Macht in Europa aus und die Energie zum ersten Kreuzzug?